Thema: Business | Datum: 29.11.2017

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„Mensch schlägt Maschine“

Persönliche Anlageberatung – quo vadis? Alfredo Garces, Direktor Vorsorge und Vermögen bei der TARGOBANK, über Digitalisierungstrends, Produktauswahlprozesse und neue Gebührenmodelle.

voila: Digitalisierung und Automatisierung sind die Trendthemen in der Finanzwelt. Macht intelligente Software menschliche Berater bald überflüssig?

Alfredo Garces: Nein, denn der Mensch schlägt nach wie vor die Maschine. Geldanlage ist vor allem auch Vertrauenssache und die Mehrheit der Kunden vertraut eher einem Berater als ausschließlich einer Maschine. Unser Haus bietet einen Mix aus beidem: Ein Leitplanken setzendes Computersystem auf der einen Seite und individuelle Beratung auf der anderen Seite: Mit Hilfe unserer computergestützten Persönlichen Finanzplanung geben wir dem Kunden und dem Berater ein Werkzeug an die Hand, mit dem beide gemeinsam eine individuelle Lösung im Sinne des Kunden erarbeiten können.

Die Anleger sind heute besser informiert denn je. Können es sich Banken da noch leisten, vorrangig eigene Produkte anzubieten oder muss man sich nicht viel mehr für die Konkurrenz öffnen?

Eine Beschränkung auf hauseigene Produkte empfinden die Kunden als unzeitgemäß. Deshalb haben wir bereits vor 17 Jahren die offene Fondsarchitektur eingeführt, was eine Bindung an hauseigene Produkte ausschließt. Zudem durchlaufen alle Produkte unserer Anlagevorschläge einen objektiven Fondsauswahlprozess, den wir in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Fondsanalyse-Institut Scope Analysis GmbH durchführen. Jeder Fonds wird anhand von strengen quantitativen und qualitativen Parametern überprüft. Fällt ein Produkt durch, landet es auch nicht auf unserer Empfehlungsliste.

Bei unserem Plus-Depot haben wir dieses Angebot um ETFs erweitert, die den gleichen strengen Selektionsprozess durchlaufen müssen. Somit können wir aus rund 1.600 europaweit zugelassenen Indexfonds die besten auswählen. Am Ende ermitteln wir im Vergleich von aktiven Investmentfonds mit den physischen ETFs der gleichen Anlagekategorie die besten Produkte am Markt und stellen diese dann in einer Asset Allocation zusammen.

Die Nullzinsen schröpfen nicht nur die Sparer, sondern schmälern auch die Erträge der Banken. Viele Institute drehen an der Gebührenschraube – zum Leidwesen der Anleger. Welchen Ansatz verfolgt Ihr Haus?

In der Tat stellen wir fest, dass Anlagekunden immer preisbewusster agieren. Was bei Mobilfunktarifen schon seit Jahren Usus ist, erfreut sich auch bei der Geldanlage immer größerer Beliebtheit: die Rede ist von sogenannten Flat-Fee-Angeboten. Entsprechend groß ist auch der Run auf unser im letzten Jahr eingeführtes Plus-Depot. Hier können Kunden frei von Ausgabeaufschlägen oder Orderprovisionen mit Fonds und ETFs handeln. Stattdessen fällt ein prozentuales Depotvolumenentgelt an. On top erhalten Kunden jährlich 50 Free-Trades im börslichen und außerbörslichen Wertpapierhandel. Das kommt gut an. So hat sich die Zahl der Plus-Depots von Jahresbeginn bis heute mehr als verdoppelt.

Die Konkurrenz der Banken ist groß, zudem drängen immer neue Anbieter mit digitalen Produkten und Dienstleistungen auf den Markt, die ohne Banklizenz operieren. Wie teilen sich Banken und Fintechs künftig das Geschäft?

Eine smarte technologische Idee allein ersetzt noch keine Bank, sondern ergänzt sie höchstens. So sind zum Beispiel das Bankgeheimnis und die strengen Datenschutzstandards der Banken ein hohes Gut im Wettbewerb mit Fintechs & Co. Und gerade hier stoßen viele Fintechs an ihre Grenzen.

Richtig ist aber auch, dass die Fintechs aufgrund ihrer hohen Innovationsgeschwindigkeit für frischen Wind in der Finanzdienstleistungsbranche sorgen. Banken sind gut beraten, sich diese Dynamik und diesen Spirit – ob in Form von Kooperationen oder von eigenen Innovationen – zunutze zu machen. Dabei geht es nicht darum, jeden beliebigen Trend aufzugreifen. Die Kunst liegt darin, auszuwählen, welche Tools und Features am Ende des Tages dem Kunden und der Bank einen echten Mehrwert bieten.

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