Von der Traumwohnung zum Albtraum
Betrugsfallen bei der Wohnungssuche
Die Suche nach einer passenden Wohnung findet heute überwiegend online statt. Plattformen wie ImmoScout24, Immowelt oder Kleinanzeigen ermöglichen eine schnelle und einfache Suche nach den eigenen vier Wänden. Doch genau das nutzen Kriminelle aus.
Die Nachfrage ist groß und der Wohnungsmarkt begrenzt. Das lockt gezielt Kriminelle und ihre Betrugsmaschen an. Besonders in Ballungsräumen und Großstädten geraten Wohnungssuchende immer häufiger ins Visier professioneller Betrugsfallen. Die Vorgehensweisen wirken oft seriös, sind professionell gestaltet und auf den ersten Blick schwer als Betrug zu erkennen. Umso wichtiger ist es, typische Methoden und Warnsignale zu erkennen.
- Die Fake-Wohnungsanzeige
Eine der häufigsten Methoden ist die Veröffentlichung gefälschter Wohnungsanzeigen. Die angebotenen Wohnungen wirken attraktiv: gute Lage, moderne Ausstattung und vergleichsweise günstige Miete. Ein Traum für alle Wohnungssuchenden! Häufig werden Bilder und Beschreibungstexte jedoch aus echten Immobilienanzeigen kopiert.
Gerade aufgrund der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt stoßen solche Angebote innerhalb kürzester Zeit auf großes Interesse. Viele Wohnungssuchende reagieren sofort auf die Anzeigen und übersenden teilweise proaktiv sensible Unterlagen wie Ausweiskopien, Einkommensnachweise, Kontoauszüge oder SCHUFA-Auskünfte. Die Wohnung existiert jedoch nicht, und die Wohnungsanzeigen verschwinden nach kurzer Zeit wieder von den Plattformen und die Betrüger*innen nehmen die sensiblen Daten mit. Diese nutzen sie anschließend für Identitätsdiebstahl oder weitere Betrugsversuche.
- Die POSTIDENT Masche
Eine weitere und leider zunehmend verbreitete Methode ist die missbräuchliche Nutzung des POSTIDENT-Verfahrens im Zusammenhang mit vermeintlichen Wohnungsangeboten.
Betrüger*innen nutzen dabei das Vertrauen von Wohnungssuchenden aus und geben eine Identitätsprüfung als vermeintlich notwendigen Schritt im Rahmen einer Wohnungsbesichtigung oder eines Mietvertrages aus. Tatsächlich kann die Legitimation jedoch einem völlig anderen Zweck dienen – beispielsweise der Eröffnung eines Kreditvertrages im Namen der betroffenen Person.
Besonders gefährlich: Die Betroffenen merken häufig zunächst nicht, dass sie mit der Identifizierung einen Vorgang legitimieren, der nichts mit einer Wohnungssuche zu tun hat. Sie gehen oftmals von üblichen Sicherheitsprozessen im Rahmen der Wohnungsvergabe aus, legitimieren sich jedoch für den im Hintergrund beantragten Kreditvertrag.
Den tatsächlichen Geldbetrags des Kredites erhalten die Täter*innen, die Kosten, die entstehen, liegen jedoch bei den Betroffenen.
Wichtig: Eine Identitätsprüfung sollte niemals allein deshalb durchgeführt werden, weil sie von einer/m vermeintlichen Vermieter*in oder einer Online-Wohnungsplattform dazu aufgefordert wurden. Prüfen Sie immer genau, für welches Unternehmen sie erfolgt und welchem konkreten Zweck sie dient.
- Die Vorab-Reservierung
Eine ebenfalls verbreitet Methode ist die Forderung nach Zahlungen vor einer Besichtigung oder Vertragsunterzeichnung. Häufig wird diese Zahlung als „Reservierungsgebühr“ bezeichnet und mit einer hohen Nachfrage begründet, wie „Viele Interessenten warten bereits“ oder „Die Wohnung kann nur nach Reservierung gehalten werden.“
Teilweise sollen Zahlungen über internationale Zahlungsdienste oder ausländische Konten abgewickelt werden. Die Täter*innen erklären, dass sie sich aktuell im Ausland befinden und/oder derzeit keinen Zugang zu einem deutschen Finanzdienstleister hätten. Nach der Überweisung ist das Geld meist verloren.
- Phishing über Immobilienportale
Kriminelle nutzen zunehmend täuschend echte E-Mails oder Nachrichten, die den bekannten Immobilienplattformen ähneln. Darin werden Interessent*innen beispielsweise aufgefordert:
- ihre Zahlungsdaten zu bestätigen,
- ein Konto zu verifizieren oder
- sich über einen externen Link anzumelden.
Die Links führen auf gefälschte Webseiten, über die Zugangsdaten oder Bankinformationen abgegriffen werden. Besonders gefährlich: Die Nachrichten wirken häufig professionell gestaltet und orientieren sich optisch stark an denen der echten Plattformen.
Typische Warnsignale die eine Traumwohnung zum Albtraum werden lassen:
- Die Miete liegt deutlich unter dem ortsüblichen Preis.
- Es wird Zeitdruck aufgebaut.
- Die Kommunikation soll ausschließlich per E-Mail oder Messenger erfolgen.
- Vermieter*innen befinden sich angeblich im Ausland.
- Zahlungsaufforderungen erfolgen regelmäßig über ausländische Konten oder unbekannte Zahlungsdienste.
- Zahlungen sollen vor Vertragsabschluss erfolgen.
- Nachrichten enthalten ungewöhnliche Formulierungen oder Übersetzungsfehler.
- Auffällige Internet-Domains und Domain-Länderkennungen
So können sich Wohnungssuchende schützen:
- Keine Zahlung ohne Besichtigung.
- Vorsicht bei Übersendung persönlicher Daten und Dokumente.
- Links und Absender von Nachrichten kontrollieren.
- Kommunikationswege der Plattformen nutzen.
Fazit:
Wer Warnsignale frühzeitig erkennt, keine vorschnellen Zahlungen leistet und Kommunikationswege kritisch hinterfragt, kann das Risiko deutlich reduzieren. Sensibilisierung und Aufmerksamkeit bleiben die wichtigsten Schutzmaßnahmen im Umgang mit digitalen Immobilienplattformen.
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