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Diebe, falsche Polizisten, vermeintliche Bankmitarbeiter oder Enkel – in der aktuellen Zeit sind sie vermehrt unterwegs. Opfer sind vor allem ältere Menschen. Serkan Atik und Ulrich Luckas von der Betrugsabteilung der TARGOBANK geben Tipps, wie man sich vor Betrugsmaschen schützen kann.

Nicht nur in der dunklen Jahreszeit werden Seniorinnen und Senioren immer wieder Opfer von Betrügern und Einbrechern. Mitunter sind die finanziellen Schäden so gravierend, dass sie die Existenz gefährden. „Diese Betrüger haben es häufig auf alleinstehende, ältere und hilfsbedürftige Menschen abgesehen“, warnt Serkan Atik, Abteilungsmanager Zentrale Kontrollen und Betrugsprävention bei der TARGOBANK. Seine Abteilung ist in der Bank nicht nur für die Aufklärung von Verbrechen, sondern insbesondere auch für die Prävention zuständig.

 

Die Maschen der Betrüger
  1. 1. Enkeltrick und betrügerische Gewinnversprechen

    Nicht nur Einbrüche oder Überfälle sind eine Bedrohung. Betrüger und Diebe entwickeln immer neue Methoden, um an fremdes Geld zu kommen. Den sogenannten Enkeltrick nutzen Trickbetrüger, um sich gegenüber älteren oder hilflosen Personen als deren Verwandte auszugeben. Die Täter rufen ihre potenziellen Opfer an und bitten um Geld. Im Anschluss vereinbaren sie ein Treffen, um es abzuholen. Teilweise werden die Opfer auch dazu gedrängt, die gewünschte Summe nicht bar auszuzahlen, sondern sie auf ein Konto, häufig im Ausland, zu überweisen. „Wenn die Überweisungen ins Ausland gehen, ist das Geld in der Regel weg. Um es zurückbuchen zu lassen, muss der Empfänger dem zustimmen“, sagt Ulrich Luckas, Sachbearbeiter Fraud in der Betrugsabteilung der TARGOBANK. Das sei nahezu aussichtslos.

    Die Auswahl der potenziellen Opfer verläuft meist über das Telefonbuch. Dabei werden Vornamen ausgewählt, die auf einen deutlich älteren Jahrgang schließen lassen. „Dadurch existiert eine höhere Chance, alleinstehende Senioren zu erreichen“, so Luckas. Gründe für die angebliche Geldnot sind meistens Umstände wie Schwangerschaft, überfällige Rechnungen oder der Kauf eines Autos. Die Täterinnen und Täter setzen ihre Opfer psychisch unter Druck, drohen ihnen z. B. mit Kontaktabbruch oder schlimmen Folgen für sich selbst oder das Enkelkind. In der Regel werden die Telefonate mit einer Frage wie „Rate mal, wer gerade anruft“ eröffnet. Dadurch ist es den Betrügern möglich, einen Namen aus der Verwandtschaft des Opfers zu erfahren.

    In einigen Fällen gratulieren die Anrufer den Senioren am Telefon zu einem angeblichen Lotterie-Gewinn. In der Regel geht es dabei hohe Geldsummen von über 100.000 Euro. Um den Gewinn ausbezahlt zu bekommen, muss der „Gewinner“ jedoch im Vorfeld eine Gebühr überweisen. Spätestens dann sollten Sie hellhörig werden. Hier handelt es sich sicher um einen Betrugsversuch. Wird die erste „Gebühr“ überwiesen, fordern die Täter in der Regel weitere „Gebühren“ an. Unabhängig von der Zahlung erfolgt niemals eine Gewinnausschüttung – ein Gewinn existiert nicht!

  2. 2. Falsche Polizisten

    Da der Enkeltrick mittlerweile bekannt ist und immer seltener funktioniert, haben Betrüger eine neue Masche entwickelt: Sie geben sich als falsche Polizisten aus. Im Telefondisplay der Opfer erscheint dabei eine gefälschte Vorwahl zusammen mit der Notrufnummer 110. Hier sollten Sie bereits stutzig werden: Denn unter dieser Nummer wird Sie die echte Polizei niemals kontaktieren. Die falschen Polizisten behaupten, dass es in der Umgebung zuletzt vermehrt Einbrüche gegeben habe, daher sollten die Angerufenen ihre Bargeld- und Schmuckbestände überprüfen und von einem Kriminalbeamten abholen lassen. Bei solchen Anrufen ist Vorsicht geboten: Die Polizei wird Sie niemals nach Ihren Geld beziehungsweise Wertsachen fragen und um deren Herausgabe bitten. Das tun nur Betrüger. Im Zweifel sollte man bei der örtlichen Polizeiwache anrufen und den Sachverhalt schildern.

  3. 3. Vermeintliche Bankmitarbeiter

    Es gibt Fälle, in denen unbekannte Anrufer sich als Bankmitarbeiter ausgeben. Die Anrufer geben zum Beispiel vor, dass „Sicherheitseinstellungen“ vorgenommen werden müssten. Die angezeigte Telefonnummer entspricht oft der Rufnummer des Bankinstituts, die von den Betrügern manipuliert wurde, um vorzugeben, dass der Anruf von der Hausbank stammt. Der Angerufene wird gebeten, PINs, TANs oder andere Zugangsdaten zu nennen, damit die entsprechende „Sicherheitsstufe“ eingestellt werden könne. „Beenden Sie in einem solchen Fall sofort das Gespräch“, sagt Ulrich Luckas. „Sie haben wahrscheinlich einen Betrüger am Telefon. Wir von der TARGOBANK fragen zum Beispiel niemals die vollständige Geheimnummer fürs Telefon-Banking, die so genannte T-PIN ab. Gehen sie niemals darauf ein, wenn jemand Sie nach schützenswerten Daten wie TAN-Nummern fragt. Und natürlich gilt: Bitte händigen Sie niemals einer fremden Person Ihre persönlichen Zugangsdaten, Karten oder Lesegeräte aus.“

    Sind Sie Kunde der TARGOBANK und haben Sie Ihre T-PIN preisgegeben, dann rufen Sie uns bitte sofort über den 24h-Kundenservice (0211 – 900 20 111) an und lassen Sie Ihre T-PIN sperren.

  4. 4. Kredit- und Scheckabzocke

    Auch Mails mit Kreditangeboten, bei denen die Kreditnehmer in Vorkasse gehen sollen, sind eine beliebte Masche, um Senioren abzuzocken: Der Betrüger kontaktiert sein Opfer und bietet ihm beispielsweise einen besonders günstigen Kredit an. Um diesen tatsächlich zu bekommen, müsse der Kreditnehmer aber zunächst eine Gebühr überweisen – und dann noch eine. „In einem uns bekannten Fall hat ein Opfer insgesamt 54 Überweisungen getätigt, ehe es den versprochenen Betrag erhalten hat“, sagt Serkan Atik. Dabei haben die Überweisungen die ursprüngliche Kreditsumme von 8.000 Euro um ein vielfaches übertroffen. Angebote dieser Art sollten Sie grundsätzlich meiden, denn: Seriöse Kreditgeber verlangen niemals eine Vorauszahlung.

    Lesen Sie auch unseren Artikel zu einer ähnlichen Betrugsmasche: dem Scheck-Trick beim Auto(ver)kauf.

  5. 5. Betrügerische Jobanzeigen

    Hinter Anzeigen für scheinbar lukrative Nebentätigkeiten in Heimarbeit zum Beispiel als „Paketmanager“, „Versandmitarbeiter“, „Finanzdienstleister“, „Testkäufer“, „Logistik-Assistent“ oder „Controller“ steckt sehr häufig organisierter Betrug. Prüfen und hinterfragen Sie solche Angebote sehr genau.

    Oftmals besteht die eigentliche Tätigkeit beispielsweise darin, das eigene Konto für Überweisungen zur Verfügung zu stellen oder dafür gar ein neues Konto zu eröffnen. Die auf das Konto dann eingehenden Gelder stammen häufig von Personen, die beispielsweise selbst Phishing-Opfer geworden sind, also aus kriminellen Quellen. Oft soll der „Finanzagent“ diese Gelder unmittelbar nach Eingang in bar abheben und entweder mittels eines Finanzdienstleisters ins Ausland transferieren oder einer Begleitperson vor Ort übergeben. Diese Provision erhält der „Finanzagent“ aber nie – er dient lediglich dazu, die Spur zu den Haupttätern zu verschleiern.

    Wer ein derartiges „Jobangebot“ annimmt, bleibt nicht nur auf dem direkten finanziellen Schaden sitzen, sondern macht sich auch leichtfertig der Geldwäsche strafbar und muss mit hohen Schadensersatzforderungen rechnen.

  6. 6. Diebstahl am Geldautomaten

    Vorsicht ist auch bereits bei alltäglichen Dingen wie dem Geldabheben am Automaten geboten. Wer die Möglichkeit hat, sollte zum Schalter in der Bankfiliale gehen. Besteht diese Option nicht, ist es sinnvoll, Automaten aufzusuchen, die sich im Foyer einer Filiale befinden. „Diese sind durch Kameras im Raum und am Geldautomaten abgesichert“, sagt Ulrich Luckas. Trotzdem rät er, sich vorher ein Bild von der Situation zu machen und im Zweifel einen anderen Automaten aufzusuchen.

    Die Geldautomaten der TARGOBANK sind aus Sicherheitsgründen allesamt in den Foyers der Filialen untergebracht. Suchen Kunden allerdings andere Automaten auf, die außen angebracht sind, sollten sie doppelt wachsam sein. Diese sind in der Regel nicht überwacht und deshalb ein beliebtes Ziel für Diebe. Gerade ältere Menschen werden dort oft bedrängt und beklaut: Kaum haben die Kunden ihre Karte in den Automaten gesteckt und die Geheimzahl eingegeben, kann es passieren, dass sie zur Seite geschubst und festgehalten werden, während die Komplizen einen Wunsch-Betrag abheben. Je nach Deckung, Kreditlinie oder Cash-Limit können es schnell mehrere Tausend Euro sein. „Die TARGOBANK versucht dem nicht nur durch die innen liegenden Automaten entgegenzusteuern, bei uns geben die Kunden zuerst den Betrag und dann die PIN ein. Für Betrüger sind die Geldsummen dann oft nicht hoch genug“, sagt Luckas.

    Wer Bargeld abholt, sollte zudem überlegen, wie viel er benötigt. Am besten hebt man nur die Summen ab, die man für den nächsten Einkauf oder andere zeitnahe Ausgaben benötigt. „So hat man auch möglichst wenig Bargeld zu Hause“, sagt Serkan Atik. Größere Summen gehören in einen Safe. Denn: Auch gut gesicherte Wohnungen und Häuser sind nicht zu hundert Prozent geschützt. Wer Einbrecher nicht unbedingt einladen möchte, der sollte zumindest Fenster, Balkon- und Terrassentüren schließen – auch dann, wenn er Haus oder Wohnung nur kurz verlässt. Auch gekippte Fenster sind offene Fenster und führen oft dazu, dass nicht nur Einbrecher leichtes Spiel haben, sondern auch der Versicherungsschutz verloren geht.

Bankdetektive stellen regelmäßig Betrüger: ein Fallbeispiel

Serkan Atik, Abteilungsmanager Zentrale Kontrollen und Betrugsprävention bei der TARGOBANK

Die Betrugsabteilung der TARGOBANK unter der Leitung von Serkan Atik ist unter anderem verantwortlich für die Überwachung von verdächtigen Transaktionen. Gleichzeitig ist sie zentrale Anlaufstelle für alle Mitarbeiter, die jegliche Art von Betrugsversuchen identifizieren.

„Vor einigen Jahren haben wir die Information von einer TARGOBANK Filiale bekommen, dass ein ‚Generalbevollmächtigter‘ von dem Konto einer 80-jährigen Kundin 120.000 Euro abholen möchte“, sagt Ulrich Luckas. Auf dem Konto befand sich ein Guthaben von insgesamt 500.000 Euro. Interne Recherchen haben ergeben, dass die „Generalvollmacht“ vor Kurzem bei einem Notar eingerichtet worden war. Die Betrugsabteilung hat sofort Kontakt mit dem Betrugsdezernat der Polizei aufgenommen. Dort war der „Generalbevollmächtigte“ bereits bekannt – er war ein Betrüger.

Die Betrugsabteilung der TARGOBANK ist unter anderem verantwortlich für die Überwachung von verdächtigen Transaktionen.

Ulrich Luckas, Sachbearbeiter Fraud in der Betrugsabteilung der TARGOBANK

Für die Auszahlung der 120.000 Euro wurde ein Termin in der Filiale vereinbart, zu dem die Polizei mit drei Beamten vor Ort war. Sobald der Verdächtige in der Filiale erschien, wurde er festgenommen. „Bei der Vernehmung hat er gestanden, sich das Vertrauen der Seniorin erschlichen zu haben“, so Luckas. Mit dem Geld habe er sich selbständig machen wollen.

Der Täter Taxifahrer und hatte die Seniorin bei einer Taxifahrt kennengelernt. Durch weitere persönliche Kontakte konnte er in Erfahrung bringen, dass sie sehr vermögend war. Ihr Mann war kurz zuvor verstorben und hatte das Geld hinterlassen.

In einem anderen Fall aus dem Jahr 2020 handelte es sich um einen so genannten Romance Scam, eine besonders perfide Betrugsmasche: Die Betrüger kontaktieren ihre Opfer auf Dating-Seiten, täuschen Interesse an einer Beziehung mit ihnen vor – und erleichtern sie am Ende um große Summen Geld. Dass dies einer TARGOBANK Kundin in Hamm erspart blieb, ist zwei wachsamen Targobankern zu verdanken.

Dies sind nur zwei von vielen Beispielen, die zeigen, mit welchen Tricks Betrüger arbeiten und wie alleinstehende und hilflose Seniorinnen und Senioren darauf reinfallen. „Wir können nur daran appellieren, möglichst aufmerksam zu sein und nicht leichtsinnig mit persönlichen Daten und Informationen umzugehen“, sagt Serkan Atik.