Eine Hand hält ein Smartphone, das das Logo von 'kleinanzeigen' zeigt. Im Hintergrund ist ein Computerbildschirm zu sehen, auf dem eine Webseite geöffnet ist, die Informationen über Produkte und Anzeigen zeigt.
Thema: Finanztipps | Datum: 10.04.2026
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Günstig gefunden, teuer bezahlt

Risiken beim Kauf und Verkauf über Kleinanzeigen & Co.

Der Secondhand-Handel boomt – doch mit ihm auch die Betrugsmaschen. Auf Plattformen wie Kleinanzeigen und Vinted geraten sowohl Käufer*innen als auch Verkäufer*innen immer häufiger ins Visier von Kriminellen. Wir erklären deren gängigsten Tricks und wie Sie sich dagegen schützen können.

Ist Ihnen bewusst, dass für Betrug nicht unbedingt direkt Ihre Bankdaten benötigt werden? Online-Kleinanzeigenportale wie Kleinanzeigen oder Vinted bieten eine einfache Möglichkeit, Waren zu kaufen und zu verkaufen. Gleichzeitig nutzen Kriminelle diese Plattformen gezielt aus, um an Geld und/oder sensible Daten zu gelangen. Die Betrugsmaschen sind vielfältig, professionell gestaltet und häufig auf den ersten Blick schwer zu erkennen. Umso wichtiger ist es, die gängigsten Methoden zu kennen, typische Warnsignale richtig einzuordnen und im Ernstfall entsprechend zu reagieren.

Betrugsmaschen beim Verkauf

gefälschte kleinanzeigen E-Mail von kleinanzeigen

Sie inserieren online einen Artikel auf einem Verkaufsportal. Eine potenzielle Käuferin oder ein Käufer meldet sich daraufhin auf Ihre Anzeige. Sie werden gebeten Ihre E-Mail-Adresse zu schicken, um die Sicher-bezahlen-Funktion zu starten. Für diese Funktion ist die Angabe der E-Mail-Adresse jedoch nicht notwendig. Die Betrüger*innen versuchen auf diesem Weg den sicheren Kommunikationskanal innerhalb der Kleinanzeigen-App zu verlassen. Dies ist bereits ein erstes Warnsignal für einen Betrug. Hier sollten Sie den Kontakt direkt abbrechen. Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse dennoch heraus, wird diese genutzt, um eine vermeintlich offizielle Kleinanzeigen-E-Mail zu generieren. Diese ist personalisiert und wirkt täuschend echt. Sowohl der Text als auch das Layout der E-Mail sind oft kaum von den echten Nachrichten aus der App zu unterscheiden. In der gefälschten E-Mail wird behauptet, dass die Zahlung erfolgreich war. Über einen enthaltenen Phishing-Link sollen Sie die Transaktion bestätigen– dies imitiert eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Der Link führt auf eine manipulierte Website, auf der Ihre sensiblen Bankdaten abgefragt werden. Sobald Sie diese eingeben, haben die Kriminellen Zugriff auf Ihre Daten. Diese können weiterverkauft oder für Abbuchungen genutzt werden. Das angeblich überwiesene Geld erhalten Sie nie.

QR-Code-Masche: Ähnlich funktioniert die QR-Code-Masche. Sie werden gebeten, Ihre E-Mail-Adresse zu nennen, um so den gesicherten Kommunikationskanal der Kleinanzeigen-App zu verlassen. Wird hier der Betrugsversuch von Ihnen nicht erkannt und Sie geben Ihre E-Mail-Adresse heraus, erhalten Sie eine täuschend echte E-Mail. Die geöffnete E-Mail wirkt offiziell und vermittelt den Eindruck, Sie befinden sich innerhalb der App. Die Kriminellen geben an, Ihre Ware bereits gekauft zu haben. Sie sollen nun einen QR-Code scannen, um das Geld zu erhalten. Tatsächlich gelangen Sie auf eine gefälschte Website, auf der sensible Daten abgefragt werden. Hinweis: Kleinanzeigen verschickt keine QR-Codes für eine Bezahlung.

Bildquelle: LKA Hamburg

Transportkosten-Falle: Betrüger*innen geben an, Interesse an Ihrer Ware zu haben, können diese jedoch nicht selbst abholen. Stattdessen wird vorgeschlagen, eine Spedition zu beauftragen. Dafür wird wieder nach Ihrer E-Mail-Adresse gefragt und entsprechend der gesicherte Kommunikationskanal verlassen. Wird dieser erste Betrugshinweis von Ihnen nicht beachtet, erhalten Sie eine gefälschte Bestätigung per E-Mail. In dieser steht, dass der Kaufpreis inklusive der Abholkosten vom Konto des Käufers/der Käuferin abgebucht wurde. Sie werden nun aufgefordert, die Transportkosten an die Spedition im Ausland zu überweisen, etwa über Transferdienste. In Wirklichkeit existieren weder Käufer*innen noch Spedition. Erfolgt keine Zahlung, werden häufig Drohnachrichten verschickt. Darauf sollten Sie keinesfalls reagieren.

Überzahlungs-Trick: Ihre inserierte Ware wird direkt gekauft ohne zuvor eine Konversation zu starten und zu verhandeln. Sie erhalten direkt eine Zahlung, die auf den ersten Blick sauber aussieht. Jedoch wurde das angegebene Konto zuvor von Betrüger*innen gehackt. Die Person, von der das Konto gehackt wurde, meldet es ihrer Bank. Die Bank fordert das Geld später bei Ihnen zurück. Sie haben jedoch in der Zwischenzeit die Ware schon versendet.

Betrugsmaschen beim Kauf

PayPal-Trick: Auch beim Kauf sind Sie Risiken ausgesetzt. Besonders verbreitet ist die Aufforderung, die Ware entweder per PayPal „Freunde & Familie“ oder SEPA Überweisung zu zahlen. Diese Zahlungsarten bieten keinen Käuferschutz. Wird die Ware nicht geliefert oder entspricht sie nicht der Beschreibung, ist das Geld in der Regel verloren.

Dreiecksbetrug: Kriminelle nutzen gefälschte Shops oder gehackte Accounts, um Waren anzubieten. Werden diese nun gekauft, erhalten die Betrüger*innen das Geld und die Bankdaten. Mit diesen Daten wird die Ware dann bei einem seriösen Shop gekauft. Sie erhalten die korrekte Ware und merken den Betrug erst, wenn die Rechnung des seriösen Händlers bei Ihnen eintrifft. Sie zahlen somit gesehen zwei Mal für ein Produkt – einmal günstig und einmal den vollen Preis.

Grundsätzliche Warnsignale und Tipps

  • Die Verkäufer*innen bestehen darauf, zwingend außerhalb der Kleinanzeigen-App zu kommunizieren und die gesicherten Kommunikationskanäle zu verlassen.
  • Achten Sie in den E-Mails, die Sie erhalten, auf eine korrekte Grammatik im Text. Überprüfen Sie außerdem die Absender-E-Mail-Adresse, auch im Hinblick auf den Ländercode, durch manuelles Anklicken.
  • Initiieren Sie die Sicher-Bezahlen-Funktion der jeweiligen Plattform.
  • Überweisen Sie bei PayPal nicht mit „Freunde & Familie„, wenn Sie die Empfänger*innen nicht wirklich kennen. Auch nicht, wenn Verkäufer*innen angeben, der Preis würde sich dadurch reduzieren. Akzeptieren Sie gegebenenfalls einen etwas höheren Preis, weil der /die Verkäufer*in seine/ihre Transaktionsgebühren, die für ihn/sie über die Funktion „für Waren und Dienstleistungen“ anfallen, unter Umständen auf den Verkaufspreis aufschlägt.

 

Werden Sie dennoch Opfer einer Betrugsmasche, melden Sie sich umgehenden bei Ihrer Bank und lassen Sie Ihr Konto sperren.

Unser Fazit: Der Second-Hand-Handel bietet viele Vorteile und unterstützt nachhaltigen Konsum. Dennoch sollten Sie wachsam bleiben, auch weil die oben beschriebenen Betrugsmaschen plattformübergreifend –bei Vinted ebenso wie bei Kleinanzeigen – angewendet werden.

Weitere Informationen:

Bildquellen: Timon – stock.adobe.com
Redaktion: Nele Holitzka

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