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Jedes Frühjahr bekommen es die meisten Bundesbürger*innen wieder mit einer ELSTER zu tun, die eher unangenehme Assoziationen weckt: Die jährliche Abgabe der Steuererklärung für zahlreiche Arbeitnehmer*innen naht. Werbungskosten, Sonderausgaben, Vorsorgeaufwand – wir zeigen, welche Ausgaben Sie absetzen und wie Sie effektiv Steuern sparen können.

Als die Finanzbehörden vor einigen Jahren die elektronische Steuererklärung einführten, musste dafür ausgerechnet die diebische Elster als „Wappentier“ herhalten. Ziemlich kurios – und nicht gerade einladend. Doch lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Denken Sie besser frühzeitig an die nächste Steuererklärung. Am besten gleich jetzt. Der Stichtag für die Steuererklärung 2021 ist der 31. Juli 2022. Beauftragen Sie einen Lohnsteuerhilfeverein oder einen Steuerberater, hat das Ganze sogar bis Ende Februar 2023 Zeit.

Arbeitnehmer*innen sind in der Regel nicht zu einer Steuererklärung verpflichtet und viele verzichten deshalb darauf. Das Ausfüllen der Formulare empfinden sie als lästig. Doch für die meisten Angestellten würde sich die investierte Zeit lohnen. Das Finanzamt erstattete laut Statistischem Bundesamt für das Jahr 2018 allen Arbeitnehmer*innen im Schnitt 1051 Euro. Geld, das man gut in die private Altersvorsorge oder in passende Geldanlagen stecken könnte.

Der Pauschbetrag von 1.000 Euro wird ohne Nachweis schon bei der Gehaltsabrechnung berücksichtigt. Wer für den Beruf mehr ausgegeben hat, kann unter bestimmten Voraussetzungen jeden weiteren Cent bei der Steuererklärung geltend machen. Damit die Forderung des Fiskus möglichst niedrig ausfällt, sollten Sie bereits im laufenden Jahr aktiv werden.

Absetzbare Ausgaben und Hinweise für das richtige Timing:
  1. 1. Werbungskosten

    Zu den wichtigsten Ausgaben gehören die Werbungskosten. Dazu zählen etwa Fahrt- und Reisekosten, Aufwendungen für Arbeitsmittel wie Fachliteratur, Werkzeug oder typische Berufskleidung, Beiträge zu Berufsverbänden und berufliche Fortbildungskosten.

    Liegt man mit den jährlichen Werbungskosten nah an der 1.000-Euro-Schwelle, ist es ratsam, den Zeitpunkt für Ausgaben wie Berufsbekleidung oder Anschaffungen fürs Arbeitszimmer ganz gezielt zu wählen. So kann man erreichen, dass man in einem Jahr auf einen höheren Betrag kommt als die Pauschale. Diesen macht man dann auch steuermindernd geltend. Im folgenden Jahr hält man die Werbungskosten bewusst niedrig und nutzt den Pauschbetrag.

    Nicht nur bei Arbeitnehmenden gibt es Werbungskosten – auch Immobilienbesitzer*innen können Werbungskosten für Renovierungs- oder Sanierungsarbeiten geltend machen, die nötig sind, um die Wohnung oder das Haus vermieten zu können. Einen Pauschalbetrag wie bei den Angestellten gibt es für die Werbungskosten von Vermieter*innen allerdings nicht. Trotzdem kann man mit dem richtigen Ausgaben-Timing bares Geld sparen.

  2. 2. Ausgaben für die Gesundheit planen

    Ob Zahnersatz oder Gleitsichtbrille – unter bestimmten Voraussetzungen beteiligt sich der Fiskus an den Krankheitskosten. Nämlich dann, wenn die „zumutbare Belastung“ überschritten wird. Je nach Familienstand und Einkommen liegt dieser Anteil bei bis zu sieben Prozent der eigenen Einkünfte. Ähnlich wie bei den Werbungskosten kann die Wahl des Zeitpunkts, wann eine bestimmte Behandlung oder Medikamentenbestellung beglichen wird, dazu führen, über diese Schwelle zu gelangen – und von der steuerlichen Entlastung zu profitieren.

  3. 3. Checken Sie Ihre Freistellungsaufträge

    Als Sparer*innen sollten Sie jetzt ihre Freistellungsaufträge überprüfen. Nur so können Sie auch im nächsten Jahr den Sparerpauschbetrag von 801 für Alleinstehende und 1.602 Euro für Paare optimal verteilen und voll ausschöpfen. Sofern Ihre Einkünfte durch Zinsen, Dividenden, Aktien und Fonds unterhalb dieser Beträge liegen, muss Ihre Bank mit dem Freistellungsauftrag keine Abgeltungssteuer an das Finanzamt abführen. Für die Konten von Minderjährigen können Eltern einen gesonderten Freistellungsauftrag bis zur gesetzlichen Höchstgrenze von 801 Euro stellen. Dieser muss von allen gesetzlichen Vertreter*innen unterschrieben werden.

  4. 4. Einkünfte aus Kapitalvermögen

    Wer Einkünfte aus Kapitalvermögen hat, muss diese versteuern. Wer zu viel Abgeltungssteuer gezahlt hat, etwa weil er vergessen hat, bei seiner Bank einen Freistellungsauftrag zu erteilen, kann sich die zu viel gezahlten Steuern über die Anlage KAP der Steuererklärung zurückholen.

  5. 5. Altersvorsorgeprodukte

    Auch mit staatlich geförderten Altersvorsorgeprodukten wie der Riester-Rente lassen sich Steuern sparen. Die Riester-Förderung besteht aus Zulagen und Steuervorteilen. Die jährliche Grundzulage beträgt pro Person 175 Euro, die Kinderzulage 185 Euro für bis Ende 2007 geborene und 300 Euro für ab 2008 geborene Kinder. Um die volle staatliche Förderung zu erhalten, müssen jährlich vier Prozent Ihres rentenversicherungspflichtigen Einkommens eingezahlt werden. Die Höhe Ihres Steuervorteils hängt vom Einkommensteuersatz ab. Steuern werden zudem erst in der Auszahlungsphase fällig.

     

    Riestern Sie? Falls ja, denken Sie daran, die staatliche Zulage für 2022 zu beantragen! Sollten Sie das in den letzten Jahren versäumt haben, können Sie bis Jahresende auch noch Anträge für die Zulagen der Jahre 2021 und 2020 stellen. Wie hat sich Ihr Gehalt entwickelt? Sind Ihre Einzahlungen in den Riester-Vertrag so gestaltet, dass Sie das Optimum an staatlicher Zulage und Steuervorteilen erzielen? Eine Anpassung kann sich lohnen!

  6. 6. Sonderausgaben

    Auch Sonderausgaben senken die Steuerlast. Hierzu zählen der Unterhalt für geschiedene oder dauernd getrenntlebende Ehe- oder Lebenspartner*innen, Kinderbetreuungskosten, Kosten von bis zu 6.000 Euro jährlich für Ihre eigene Berufsausbildung wie das Erststudium und die erste Berufsausbildung sowie die Kirchensteuer.

    Gelder für gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Einrichtungen, politische Parteien oder unabhängige Wählervereinigungen gehören ebenfalls dazu. Auch einzelne Versicherungen können im Regelfall als Sonderausgaben beziehungsweise als Vorsorgeaufwendungen abgesetzt werden.

     

    Außergewöhnliche Belastungen wie die Berufsausbildung eines volljährigen Kindes können zudem ebenso angegeben werden, wie Pauschbeträge für Behinderte oder Hinterbliebene.

  7. 7. Vorauszahlungen können sich lohnen

    Wer sich privat krankenversichert, im laufenden Jahr besonders hohe Einkünfte erzielt und davon ausgeht, im kommenden Jahr weniger zu verdienen, kann eventuell bereits in diesem Jahr die kompletten Beiträge für die Krankenversicherung 2023 zahlen. Dadurch kann ein besonders hoher Steuersatz für das aktuelle Jahr deutlich reduziert werden.

  8. 8. Steuerliche Entlastungen durch die Corona-Pandemie

    Der Bund und die einzelnen Bundesländer bieten sowohl Privatpersonen, als auch Selbstständigen und Firmen in der Corona-Pandemie verschiedene steuerliche Entlastungen an. Dazu zählen unter anderem eine Anpassung der Vorauszahlungen, zinslose Stundung der ausstehenden Steuerzahlungen und ein Erlass der Säumniszuschläge. Da die Voraussetzungen hierfür sehr unterschiedlich sind, lohnt sich in jedem Fall ein persönliches Gespräch mit dem Finanzamt oder den zuständigen Steuerberater*innen. Eine Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung ist jedoch, im Gegensatz zum ersten Pandemie-Jahr 2020, nicht mehr vorgesehen.

Corona-Hilfen im Blick behalten

Neben den steuerlichen Entlastungen lohnt es sich auch, die Corona-Hilfsangebote des Bundes im Blick zu behalten. So hat der Bund bereits 2020 Solo- und Kleinunternehmer*innen mit der Soforthilfe finanziell unter die Arme gegriffen. Der Zuschuss muss nicht zurückgezahlt, allerdings in der Steuererklärung angegeben werden.

Und auch in der aktuellen Zeit gibt es interessante Hilfsangebote wie die Neustarthilfe 2022. Hier können Soloselbstständige, unständig Beschäftigte und kurz befristete Beschäftigte in den darstellenden Künsten bis zu 4.500 Euro und Mehr-Personen-Kapitalgesellschaften und Genossenschaften bis zu 18.000 Euro an Hilfsgeldern erhalten. Die Antragsfrist für Erstanträge endet am 30. April 2022. Informieren Sie sich hier.

Ein Tipp zum Schluss:

Falls keine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung besteht, kann die Steuererklärung vier Jahre rückwirkend eingereicht werden. Der Bundesfinanzhof hat per Gesetz 2009 die Frist für rückwirkende Steuererklärungen von zwei auf vier Jahre angehoben. Geld, das man nicht verschenken sollte.

Fragen Sie die Expert*innen!

Mit unserem Artikel wollen wir Sie vor allem auf den einen oder anderen hilfreichen Aspekt für Ihre Steuererklärung aufmerksam machen. Diese Information stellt keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Wir empfehlen Ihnen, sich bei allen Fragen zu Ihrer Einkommensteuererklärung, zur Abgeltungssteuer oder sonstigen steuerlichen Angelegenheiten am besten fachlichen Rat einzuholen.