Thema: Finanztipps | Datum: 20.01.2024

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Finanztipps aus der Vermögensberatung

Worauf kommt es bei der Geldanlage an? Wie kann man langfristig sinnvoll investieren? Unsere Vermögensberater*innen geben regelmäßig Geldanlage- und Investmenttipps.

Geldanlage: Was bringt das Jahr 2024?

Filiz Kara, Vermögensberaterin in Köln

Das neue Jahr ist da – und wie gehabt bringt es die eine oder andere Neuerung mit sich. Da stellt sich sofort die Frage: Wie sieht es bei der Geldanlage aus? Nachdem die Europäische Zentralbank im vergangenen Jahr die Zinswende eingeleitet hat, lassen sich nun auch mit klassischen Einlagen wieder Zuwächse erzielen. Die Zinsanhebungen der Zentralbanken 2023 sollten ihren Höhepunkt erreicht haben und jetzt bietet sich die Chance für Anlegerinnen und Anleger, sich die guten Konditionen auch langfristig zu sichern. So bietet zum Beispiel die  auch für Festgeldanlagen länger als zwei Jahre attraktive Konditionen. Anlegerinnen und Anleger mit einer Vorliebe für kurzfristig verfügbare Anlagen sind auch mit einem Tagesgeld gut aufgestellt.

Weil durch die Zinsflaute in den vergangenen Jahren die Kapitalerträge bei vielen stark geschrumpft sind, fand die Information über die Anhebung des Sparerfreibetrags im Jahr 2023 für Ledige auf 1.000 Euro (zuvor 801 Euro) und für Verheiratete auf 2.000 Euro (zuvor 1.602 Euro) nur wenig Beachtung. Die erhöhten Freibeträge gelten auch 2024. Die darüber liegenden Erträge werden wie bisher pauschal mit 25 Prozent versteuert – gegebenenfalls zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Sinnvoll ist es, früher erteilte Freistellungsaufträge an die neue Situation anzupassen – auch wenn man zu viel abgeführte Kapitalertragsteuer nach der Steuererklärung zurückerhält.

Finanztipps: Archiv 2022-2023

Führerschein, Ausbildung, eigene Wohnung – Kinder kosten Geld und je älter die Kinder, desto größer die Wünsche. Aber wie können Eltern, Großeltern und andere Verwandte sinnvoll für den Nachwuchs sparen?

Eltern haben natürlich in der ersten Zeit nach der Geburt sehr viele andere Dinge im Kopf. Da hat das Thema Finanzen nicht immer höchste Priorität. Und trotzdem: Das A und O ist es, so früh wie möglich mit dem Sparen zu beginnen.

Eine gute Idee für Eltern ist, einen Teil des Kindergeldes für die regelmäßige Geldanlage zu nutzen. Und wichtig ist auch, sich realistische Ziele zu setzen. Am Anfang einer guten Beratung stehen daher immer die Fragen: Wie viel Geld können sie monatlich fürs Sparen entbehren? Über welchen Zeithorizont sprechen wir?

Für kurzfristigere Anschaffungen wie ein Fahrrad, ein neues Bett oder den ersten Schulranzen ist ein Junior-Sparkonto geeignet. Wenn man seinen Kindern einen finanziellen Startschuss zur Volljährigkeit oder nach Schulabschluss ermöglichen möchte, bieten sich Investment-Sparpläne an. Dabei legen Sie typischerweise regelmäßig einen bestimmten Betrag in Aktien-, Renten oder Mischfonds an. Auch viele Exchange Traded Funds (ETFs) sind inzwischen sparplanfähig. Dafür kann man als Erwachsener zum Beispiel ein eigenes Depot eröffnen. Auch einige Versicherungsprodukte wie zum Beispiel die Investment-Rente von der TARGOBANK können eine sinnvolle Ergänzung sein. Diese sehr flexiblen Produkte können Kinder, sobald sie volljährig sind, auch selbst weiterführen.

Und noch ein letzter Tipp zum Schluss: Seien Sie kein Vogelstrauß. Einmal abschließen und dann den Kopf in den Sand stecken ist keine gute Strategie bei der Geldanlage.

Aktien und Fonds sind attraktive Geldanlagen. Um sie kaufen und besitzen zu können, benötigt man ein Wertpapierdepot. Doch was ist das eigentlich?

Für Wertpapiere braucht man eine Art „Lager“, wie die wörtliche Übersetzung von Depot lautet. Es dient nicht nur zum Kauf der Wertpapiere, es gibt stets auch einen Überblick darüber, welche Anlageprodukte man aktuell besitzt.

Das Wertpapierdepot existiert heute – wie auch die Wertpapiere selbst – in digitaler Form. Es ist vergleichbar mit einem Girokonto und dem dort verbuchten Geld. Und ähnlich wie bei einem Girokonto erlaubt es das Wertpapierdepot, den aktuellen Wert der darin enthaltenen Anlageprodukte abzulesen.

Um tatsächlich Wertpapiere kaufen oder verkaufen zu können, genügt das aber noch nicht: Dafür muss das Wertpapierdepot mit einem Verrechnungskonto gekoppelt sein, in der Regel mit einem Girokonto. Über dieses Verrechnungskonto wird der Kauf von Aktien und Fonds bezahlt, umgekehrt werden Verkaufserlöse hier gutgeschrieben.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, ein Wertpapierdepot zu eröffnen: Entweder bei einer Bank, mit der Möglichkeit, sich persönlich zu den Anlageprodukten beraten zu lassen – oder über das Internet bei einem sogenannten Online-Broker oder einer Direktbank. Hier sind die Möglichkeiten der Beratung allerdings limitiert.

Wie können Anlegerinnen und Anleger Renditen erzielen? Als Antwort werden häufig sogenannte „Exchange Traded Funds“ (ETFs) genannt. Für deren sinnvolle Nutzung sind weder größere Anlagesummen noch spezielle Börsen- oder Aktienkenntnisse vonnöten.

Aber was genau machen ETFs? Sie sind börsengehandelte Fonds, die die Wertpapierzusammensetzung eines bestimmten Aktienindexes – wie zum Beispiel des DAX – nachbilden. Ihr Wert entwickelt sich also parallel zu dem des entsprechenden Index und sorgen sofort für eine gewisse Streuung der Anlage. Wer über ETFs in viele verschiedene Wertpapiere und Anlageklassen investiert, kann Marktschwankungen besser ausgleichen und sein Verlustrisiko verringern. Außerdem werden ETFs im Gegensatz zu aktiv verwalteten Fonds ohne größere Aufschläge gehandelt, verursachen also in der Regel weniger Kosten. Und mit einem entsprechenden Sparplan können Sie mit kleinen Beträgen kontinuierlich ein kleines Vermögen aufbauen.

Das ist vor allem dann wichtig, wenn man sein Depot umschichten, also an die gewünschte Gewichtung und Strategie anpassen, möchte. Kein seltener Fall, da die Finanzmärkte ständig in Bewegung sind: ETFs sind da eine gute Möglichkeit, das Depot regelmäßig und kostengünstig zu justieren. Dabei sollten Anleger wissen, dass ETFs keine Garantie gegen Kursverluste darstellen. Und wer ausschließlich in ETFs investiert, muss sich darüber im Klaren sein, dass er keine höheren Gewinne als den Durchschnittswert des abgebildeten Indexes realisieren kann.

Ein nachhaltiges Leben zu führen, bezieht sich für viele nicht nur auf den Konsumbereich, sondern auch auf den Umgang mit den eigenen Ersparnissen. Nachhaltig investieren können Anleger*innen zum Beispiel, indem sie sich bewusst für Fonds entscheiden, die kontroverse Geschäftspraktiken sowie Branchen wie Waffen, Tabak, Alkohol und Kohle ausschließen. Eine Möglichkeit, regelmäßig Geld in „saubere“ Vermögensanlagen zu investieren, sind nachhaltige Fondssparpläne.

Laut einer Analyse der Ratingagentur „Scope“ Anfang 2023 konnten Anleger*innen aus Deutschland bereits aus über 6.000 als nachhaltig klassifizierten Fonds wählen, die zusammen rund 3,8 Billionen Euro verwalteten. Im Vergleich zu 2020 (Volumen nachhaltig ausgerichteter Fonds von rund 400 Milliarden Euro) ist das beinahe eine Verzehnfachung. Neben aktiven Investmentfonds können Anleger*innen auch in nachhaltige ETFs investieren, die Aktienindizes wie zum Beispiel den MSCI World Socially Responsible Index nachbilden.

Wichtig für Anleger*innen: Es ist nicht immer einfach zu erkennen, wie nachhaltig eine Geldanlage wirklich ist. Deshalb analysieren einige Ratingagenturen gezielt, ob Unternehmen, in die ein Fonds investiert, tatsächlich nachhaltig wirtschaften. Und: Beim Kauf und Verkauf von Fonds und ETFs bestehen wie bei allen Anlagen Risiken für Kapital und Ertrag. Die Anlage ist nicht garantiert. Schwankungen des Marktes können zu Kursverlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Im Gegenzug bieten die Aktienmärkte größere Renditepotenziale.

Sind die US-Inflationsängste berechtigt? Diese Frage beschäftigt derzeit die Aktienmärkte. Immerhin ist die US-Teuerung von knapp über 9 Prozent (Juni 2022) inzwischen auf 3 Prozent (Juni 2023) gesunken. Aber es gibt Befürchtungen, dass der Preisauftrieb wieder Fahrt aufnimmt. Denn zum einen ist der US-Arbeitsmarkt weiterhin leer gefegt, was die US-Löhne aktuell um über 4 Prozent steigen lässt, und zum anderen gibt es erste Anzeichen dafür, dass möglicherweise die von den Ökonomen prognostizierte Rezession ausbleibt. So überraschen z. B. die Angaben zum US-Immobilienmarkt auf der hohen Seite und auch das Verbrauchersentiment kann sich wider Erwarten verbessern. Und was machen die US-Notenbanker? Sie haben die Zinsen im Juli angehoben – weil eben die US-Konjunkturdaten immer noch nicht auf eine unmittelbar bevorstehende Rezession hindeuten und der US-Lohnanstieg kritisch werden könnte.

Und dennoch: Wenn man die US-Inflationshochpunkte nach dem zweiten Weltkrieg betrachtet, entspricht die aktuelle Entwicklung dem klassischen Trendverlauf der Vergangenheit. Der historische Trendverlauf weist sogar ein nochmaliges, kurzes Aufbäumen beim Preisauftrieb auf. Wenn das auch im aktuellen Inflationszyklus der Fall wäre, werden die US-Leitzinsen vermutlich nochmals leicht angehoben, was aber an den Aktienmärkten Turbulenzen auslösen dürfte. Anleger tun wohl gut daran, wenn sie daher die etwas längerfristige Perspektive im Auge behalten.

Die EZB ist weiterhin über die hohen Inflationsraten in der Eurozone besorgt. Deshalb hat sie jüngst die Leitzinsen weiter erhöht und wird dies vermutlich auch noch mal tun. Grund dafür ist nicht nur die Höhe der Inflationsrate, sondern auch die Befürchtung, dass diese für einen längeren Zeitraum noch hoch bleiben könnte. Die Zentralbank sieht zwar auch die Konjunkturabschwächung im Euroraum, doch sie gewichtet das Inflationsrisiko definitiv höher und bleibt daher ihrer seit letztem Sommer eingeschlagenen Linie, die Zinspolitik zu verschärfen, weiter treu. Denn Inflation ist ein monetäres Problem: Ist zu viel Geld im Umlauf, kommt es zur Inflation. Als Folge der Zinserhöhungen macht sich ein kontinuierlich nachlassender Preisdruck bemerkbar, die Verbraucherpreise könnten Ende 2023 bei nur noch knapp über drei Prozent liegen. Längerfristig könnte es sogar eine Deflation geben, wenn die klassischen Annahmen des Monetarismus zugrunde gelegt werden. So weit wird es nicht kommen. Ein geldpolitischer Schwenk der EZB wird bereits von Ökonomen prognostiziert. Die Zinsen sollten nach diesen Prognosen nur noch einmal in diesem Zinszyklus erhöht werden, und auf Sicht von zwölf Monaten ist spätestens eine Zinssenkung zu erwarten. Die Aktienmärkte werden sich über diesen Ausblick freuen und es sollten demzufolge auch wieder Kursgewinne anfallen.

Es gibt positive Nachrichten. Die amerikanische Notenbank hat mit großer Wahrscheinlichkeit ihren Zinsanhebungszyklus beendet. Und wenn alles ungefähr so weiterläuft wie zuletzt, wird der US-Preisauftrieb – gegenüber dem Vorjahr – bis Spätsommer auf rund drei Prozent sinken. Für Europa ist das Bild ähnlich, nur zeitverzögert. Die EZB könnte ihren Zinsanhebungszyklus im Juli abschließen und die Teuerungsrate sollte zum Jahresende die Drei-Prozent- Marke streifen. Doch was wird aus der US-Regionalbankenkrise und wie sind die deutschen Wirtschaftsdaten einzuordnen? Sicherlich sind nicht alle US-Regionalbanken gleich stark aufgestellt. Auf der anderen Seite aber ist es möglicherweise auch übertrieben, eine größere US-Bankenkrise zu prognostizieren. Gerade Spekulanten haben die Stimmung aufgeheizt und sie könnten auch aktuell falsche Signale aussenden. Bei der deutschen Wirtschaft kam es zuletzt zu einem überraschend deutlichen Rückgang bei den Auftragseingängen. Auch die jüngsten Angaben lassen in diesem Zusammenhang nicht auf eine durchgreifende Besserung schließen, eher im Gegenteil: Sie dürften die industrielle Produktion ins Minus ziehen. Vor diesem Hintergrund ist es immer noch offen, ob Deutschland im aktuellen Konjunkturzyklus in der zweiten Jahreshälfte eine Rezession vermeiden kann. Das hat jedenfalls zur Jahreswende 2022/23 haarscharf geklappt. Trotz dieses sehr ambivalenten Umfelds bleibt es dennoch sinnvoll, weiter in Aktien zu investieren. Jedoch sollten Anleger eher unverändert eine defensive Gangart wählen.

Trotz des anhaltenden Ukraine-Kriegs und wieder größer werdenden geopolitischen Risiken im Verhältnis der westlichen Welt mit China sind die Aktienmärkte gut in das Jahr 2023 gestartet. Grund ist das Ausbleiben vieler Belastungsfaktoren. Doch es ist immer noch offen, ob die Finanzmärkte nur eine Erleichterungsrallye feiern, die bald ausläuft, oder ob die Rallye anhält. Der Konjunkturausblick war selten so vage wie aktuell, was dementsprechend auch Konsequenzen für die Anlageentscheidung hat. Die jüngsten Unternehmensumfragen deuten darauf hin, dass Rezessionsrisiken kurzfristig nachlassen. Die Leitzinsen steigen jedoch stärker als erwartet und das Rezessionsrisiko ist auch weiterhin nicht komplett zu vernachlässigen. Das Umfeld könnte für Aktien kaum schlechter sein. Dennoch steigen sie, weil Energieengpässe und Konjunktureinbruch im Winter 2022/23 ausgeblieben sind. In einem Umfeld, in der die Inflation zwar sinkt, aber dennoch vorerst hoch bleibt, weil der Rückgang sich langsamer vollzieht als erwartet, dürften zumindest Anleiherenditen kurzfristig weiter nach oben zeigen. Momentan ist es für Aktien also kaum möglich, ein Prognoseziel auf Sicht von zwölf Monaten abzugeben. Rückrechnungen zeigen aber, dass langfristig Aktien das ertragsreichste Investment sind. Es sprechen deshalb auch im aktuellen Umfeld viele Gründe für die Anlage in Aktien, jedoch weiterhin im Rahmen einer defensiven Value-Strategie (Qualitätsaktien).

Es hat geklappt: Weil die Geschäftsbanken, Notenbanken und auch die Politik ihre Lehren aus der Finanzmarktkrise von 2008 gezogen haben, ist Mitte März der große Bankenkollaps ausgeblieben. Denn selbst noch die gewagte Übernahme der Credit Suisse Bank durch die UBS, beide Institute gelten als weltweit systemrelevante Banken, hätte das globale Bankengefüge ins Wanken bringen können. Die Situation ist aber anders als 2007, als sich eine Krise durchaus schon eine ganze Weile abzeichnete: Dieses Mal hat man sofort und kompromisslos gehandelt – sowohl in den USA beim Ausfall der Silicon Valley Bank als auch in der Schweiz. Damit war allen Spekulationen auf beiden Seiten des Atlantiks mit einem Schlag der Boden entzogen. Das befürchtete Bankenbeben, wenn der Fokus auf die Kursentwicklung an den Aktienmärkten gelegt wird, blieb aus und entpuppte sich lediglich als ein kleineres Börsenbrausen. Wir sind auch der Überzeugung, dass kein großes Nachbeben ansteht. Was sich allerdings ändern könnte, ist die Einstellung der Notenbanken bei der Bekämpfung der Inflation. Denn den Notenbankern wurde in diesen Tagen deutlich vorgeführt, welche Auswirkungen ihre aktuell sehr restriktive Geldpolitik annehmen könnte. Deshalb haben die Finanzmärkte bereits begonnen, für das Jahresende Zinssenkungen einzupreisen. Ob es wirklich dazu kommt, bleibt fraglich. Dennoch hilft die Einschätzung der Finanzmärkte zur künftigen Richtung der Geldpolitik aktuell den Aktienkursen nach oben, ihre Erwartungen könnten allerdings enttäuscht werden.

Bremen, März 2023. Die globale Weltwirtschaft entwickelt sich klar besser, als noch vor wenigen Wochen vorherrschende Meinung war. Die Börsen haben reagiert. Viele Aktienindizes sind seit Jahresbeginn mit mehr als 7 Prozent im Plus. Das ist in vielen Fällen normalerweise ein ganzer Jahresgewinn. Wie viel Performance ist in den kommenden Monaten noch drin? Der Börsenaufschwung hält an, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind. Erstens: China erlebt einen Wirtschaftsaufschwung, der die sehr realistischen US-Rezessionsbefürchtungen weitestgehend kompensieren kann. Zweitens: Die Inflation wird bis Ende des Jahres im Euroraum und den USA auf unter 2,5 Prozent sinken und nicht bei circa 4,5 bis 5 Prozent stecken bleiben. Drittens: Die Finanzmärkte halten an ihrer Überzeugung fest, dass der Zinshöhepunkt im Frühsommer 2023 erreicht ist. Die Wahrscheinlichkeiten für die Erfüllung der drei Voraussetzungen schwanken momentan sehr stark. Daher sollte aktuell unverändert eine defensive Anlagestrategie gewählt werden. Gerade die Corona-Krise hat deutlich gezeigt, wie kurzatmig so manche Hausse sein kann, wenn die nachhaltige Substanz fehlt.

Der Inflationshöhepunkt ist weltweit überschritten und eine große Energiekrise in Europa ausgeblieben. Weil das alles andere als sicher war, verspürt man auf den Weltaktienmärkten gerade eine Erleichterungswelle. Doch es gibt weiter bedeutende Risiken. Eines davon schlummert in den USA. Die ursprünglich erwartete US-Rezession könnte sich zur Jahresmitte bemerkbar machen und stärker ausfallen als aktuell erwartet. Die entsprechenden Frühindikatoren liegen vielfach auf 20 Jahrestiefs, wenn die Finanzmarktkrise ausgeklammert wird. Die schwachen US-Indexstände werden allerdings ignoriert. Ein Grund ist der weiterhin extrem robuste US-Arbeitsmarkt. Nahe liegt jedoch, dass die US-Wirtschaft eine Rezession auch schnell wieder überwinden kann. Weil der Inflationsdruck nachlässt und die US-Notenbank letztes Jahr die Leitzinsen stark angehoben hat, verfügt sie über Spielraum, um geldpolitisch gegensteuern zu können. Dennoch scheint es ratsam, im Börsenjahr 2023, zumindest kurzfristig, auf europäische Aktien ein höheres Gewicht zu legen als auf US-Titel. Weil für Europa die Konjunkturerwartungen für das Jahr nicht sehr ambitioniert sind, ist auch das Potenzial für Enttäuschungen entsprechend kleiner. Möglicherweise kommt es sogar zu positiven Überraschungen. Einige Ökonomen erwarten inzwischen 2023 für Deutschland schon keine Rezession mehr. Diese ist hier aber, anders als in den USA, eingepreist. So könnten die US-Gewinnerwartungen im Jahresverlauf nach unten revidiert werden und für Deutschland und Europa nach oben.

An der Börse ist es manchmal wie im Fußball: Aufgeben ist oft eine schlechte Taktik. Börsenjahre mit starken Kurseinbrüchen sind nicht unbedingt schlechte Jahre. Ein Rückblick auf die DAX-Entwicklung der letzten drei Dekaden zeigt: Selbst Jahre, in denen die Börsen zeitweise im hohen zweistelligen Bereich einbrachen, brachten am Ende noch eine positive Gesamtperformance mit einem Kursplus. Zuletzt sah man das 2020, und auch 2022 endete mit einem kleinen Zuwachs. Seit seinem Jahrestief im Oktober hat der DAX auch in 2022 bis zum Jahresende ordentlich zugelegt.

Ich bin deshalb der Überzeugung, dass es auch in einem schwierigen Gesamtumfeld gute Aussichten gibt. Gerade große Kurseinbrüche bieten regelmäßig eine Chance. Deshalb sind Aktien insbesondere auch in einem herausfordernden Umfeld eine gute Option. Diese bieten oftmals gute Chancen für die Geldanlage. Das sah man schon im, heftigen aber nur kurzen, Einbruch während der Coronakrise. Es gibt sicher viele Gründe, die für Vorsicht –und damit für eine defensive Anlagestrategie- sprechen, doch es ist im Jahresverlauf mit abnehmenden Risiken zu rechnen.

Die Verluste, die die Aktienbörsen aktuell erleiden, sind historisch gesehen die große Ausnahme. Man muss beachtliche 60 Jahre zurückgehen, also bis 1962, wenn man einen höheren Verlust für die ersten neun Monate eines Jahres als aktuell finden will. Zu noch größeren Verlusten kam es nur noch in den 1930er-Jahren, also zu Zeiten der großen Depression. Die große Frage ist: Katapultiert sich die Weltwirtschaft wieder in eine solche Situation? Schließlich gibt es auch heute viele Risiken und Gefahren wie Corona, weltweite Lieferengpässe, Ukrainekrieg, Inflation und steigende Zinsen. Doch die Chance, dass Corona auf Sicht von einem Jahr eine kleinere Bedeutung einnimmt als aktuell ist nicht unrealistisch. Infolgedessen würden auch die Lieferengpässe verschwinden, was preisdämpfend wirkt. Gleichzeitig sinken seit Wochen, trotz Atombombendrohungen und Gaspipeline-Manipulationen, die Gaspreise und damit auch die Strompreise. Das sollte ebenfalls den Preisauftrieb in den kommenden Monaten abschwächen und könnte eine Beendigung des Zinsanhebungs-Zyklusses in den westlichen Ländern Ende des ersten Quartals 2023 ermöglichen. Eine Aussage zum Ukrainekrieg ist aktuell jedoch nicht möglich. Ich bin deshalb der Überzeugung, dass – obwohl der Fortgang des Ukrainekrieges völlig offen ist – die aufgezeigten Perspektiven in Summe für die Aktienmärkte eher günstig zu werten sind und das Börsenjahr 2022 ein Ausnahmejahr ist und nicht zur Regel wird.

Wie tief können die Aktienkurse noch fallen? Dazu gibt es aktuell viele Aussagen. Besonders Vergleiche mit 2008 und 2002 machen die Runde. Und dabei werden große Ähnlichkeiten im Kursverlauf festgestellt, die die Verunsicherung weiter anheizen. Doch grundsätzlich gilt: Ein Crash lässt sich nicht prognostizieren. Die Logik sagt, dass der Wert eines Aktienindexes letztendlich nicht nachhaltig unter seinen Buchwert fällt. Ein Investor würde in diesem Fall den gesamten Index erwerben, um danach die in dem Index enthaltenen Firmen in ihren Einzelteilen zu verkaufen. Weil der Buchwert höher wäre als der Wert des Indexes, ließe sich folglich ein Gewinn erzielen. Das gilt unter der plausiblen Annahme, dass die Unternehmen, die einen Aktienindex ausmachen, nicht wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit und dann drohender Überschuldung ihre Geschäftstätigkeit aufgeben müssen. Ich persönlich gehe davon aus, dass für Aktienindizes ein Preis-Buchwert-Verhältnis von 1 die Untergrenze darstellt. Sie hat in der Vergangenheit auch regelmäßig gehalten. So war es in der Dot-Com-Krise (2002), in der Finanzmarktkrise (2008), in der Eurokrise (2012) und beim Corona-Einbruch (2020). Wann wäre diese Grenze aktuell beim DAX erreicht? Nach Berechnungen unseres Chefvolkswirts läge dieser Tiefpunkt beim DAX bei rund 9.500 Punkten. Wohlgemerkt, das ist der logische Tiefstwert, der in Panikverkäufen erreicht werden könnte. Einen solchen Absturz sehe ich aktuell allerdings nicht.

In den letzten Monaten hat sich der europäische Gaspreis nochmals verdoppelt. Diese extremen Aufwärtsbewegungen waren überraschend. Natürlich haben neben der tatsächlichen Angebotsverknappung auch Angst und Spekulation den Gaspreis nach oben getrieben. Aber auch ein dritter Faktor dürfte dazu beigetragen haben: Deutschland ist als Gas-Nachfrager in einem eng gewordenen Markt besonders stark in Erscheinung getreten. Wir alle hören täglich über die Füllstände der deutschen Gasspeicher, die sich zuletzt deutlich schneller füllten als zunächst erwartet. Es ist also nicht auszuschließen, dass die deutsche Nachfrage den Gaspreis zusätzlich hat explodieren lassen. Die Befüllung der Gasspeicher erfolgte deutlich schneller als im Durchschnitt der letzten vier Jahre. Das wiederum macht ein wenig Hoffnung. Denn der Preis für Gas könnte dann wieder sinken, wenn die gewünschten Füllstände erreicht sind und Deutschland seine Nachfrage wieder auf ein normales Maß reduziert. Sollte das der Fall sein, würden die Gaspreise zwar immer noch hoch bleiben, aber die zuletzt extreme Preisentwicklung fände wohl keine Fortsetzung. Möglicherweise könnte sich der Gaspreis sogar wieder halbieren. Der Wettbewerbsnachteil europäischer Firmen in globalen Märkten wäre demzufolge nicht mehr so gravierend – wenngleich die Energiekosten in den USA immer noch deutlich niedriger blieben als in Europa. Deshalb dürften sinkende Gaspreise europäische Aktien nicht direkt entlasten, doch sie würden einen Kursabsturz deutlich unwahrscheinlicher machen.

US-Technologieaktien haben seit Mitte Juni um mehr als 20 Prozent zugelegt und auch der Welt-Aktienindex stieg um über 10 Prozent an. Wenn diese Zuwächse mit den aktuellen Aktien-Kennziffern abgeglichen werden, scheinen diese durchaus gerechtfertigt. Die Gewinnmargen liegen auf einem 15-Jahres-Hoch, was wiederum sehr hohe Gewinnerwartungen rechtfertigt. Auch sind die Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf ein erträgliches Niveau gesunken. Müssten in diesem Umfeld Aktien nicht weiter steigen? Eigentlich ja, doch die Risiken sind aktuell unübersehbar groß: Da sind die geopolitischen Risiken wie der Ukraine-Krieg, der ChinaTaiwan- Konflikt, die Energieengpässe, das Inflationsrisiko, steigende Leitzinsen sowie der globale Konjunkturabschwung noch gekoppelt an das Spezialthema Corona. Es kann sich kurzfristig aber auch vieles zum Besseren wenden. Putin müsste nur endlich einsehen, dass sein Krieg keinerlei Sinn macht. Ja, das mag aktuell sehr unwahrscheinlich klingen, doch – nur als Beispiel – die deutsche Wiedervereinigung hatte über lange Zeit auch eine Wahrscheinlichkeit von annähernd Null, ähnlich war es mit dem 1979 geschlossenen Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel. Auch wenn dies ausdrücklich nicht als Anlagetipp zu verstehen ist, werde ich persönlich aufgrund der theoretischen Chancen in Aktien investiert bleiben. Und weil die Risiken aktuell größer sind denn je, konzentriere ich mich vornehmlich auf Dividendenfonds, auch wenn der Technologiebereich in einem Bullenmarkt eingeschwenkt ist.

Die Geopolitik beeinflusst aktuell das wirtschaftliche Geschehen in einem Ausmaß, wie es seit über 50 Jahren nicht mehr zu beobachten war. Geopolitik aber ist nicht prognostizierbar. Deshalb zur aktuellen Situation an den Aktienmärkten drei grundlegende Gedanken:

  1. Ein solide aufgestelltes, breit diversifiziertes Portfolio übersteht jeden Sturm und wird sich auch wieder erholen und ähnlich gut performen wie vor Ausbruch einer Krise. Anleger sollten deshalb aktuell auf der Aktienseite ein Portfolio mit einem hohen Anteil von Titeln mit einer stabilen, nachhaltigen Dividendenausschüttung in den Blick nehmen. Diese finden sich bei Unternehmen, die produkt- und markttechnisch ausreichend breit diversifiziert sind und die auch über eine gewisse Pricing-Power verfügen.
  2. In Zeiten hoher Inflationsraten sind solide geführte Unternehmen möglicherweise die beste Versicherung gegen den Preisauftrieb. Denn in aller Regel haben nur solide geführte Unternehmen die Möglichkeit, ihre Preise – angepasst an den Preisauftrieb – anzuheben, sodass Gewinnmarge und Gewinnwachstum tendenziell stabil bleiben und die Aktienkurse längerfristig in unveränderter Form steigen.
  3. Haussephasen halten im Durchschnitt deutlich länger an und führen auch zu deutlich höheren Kursanstiegen als in Baissephasen die Kurse sinken und diese zeitlich andauern. In turbulenten Börsenphasen verstellt die Anleger-Panik oft das Bild für das große Ganze. Daher zahlen sich Panikverkäufe in den wenigsten Fällen aus.

Aktuell überschlagen sich die Krisenereignisse: Die Corona-lnzidenz steigt wie­der an – trotz sommerlicher Temperaturen. Die Noten­banken räumen nach lan­gen Beschwichtigungen jetzt massive Inflationsrisiken ein. Die USA reagiert mit Rekord­zinsanhebungen und die EZB wird immer unruhiger. Russ­land schränkt die Gasliefe­rung weiter ein – in der Fol­ge explodieren die Gaspreise. Und der Krieg in der Ukraine nimmt kein Ende, nachdem ursprünglich ein schnelles Ende erhofft wurde. Fakt ist: Die Corona-Pan­demie, das Inflationsrisiko und die Auswirkungen des Krieges wurden allesamt unterschätzt. Nach Fehlein­schätzung all dieser Einzeler­eignisse stellt sich die Frage, ob das gesamte „Setting” in seinem möglicherweise sehr unguten Zusammen­spiel ebenfalls unterschätzt wird. Auszuschließen ist es nicht. Auf der Aktienseite scheint daher – mehr denn je – ein sehr konservativer Investmentansatz angeraten. Große Wetten sind eigentlich alle nicht aufgegangen. So liegt z.B. seit Jahresanfang weder der Rüstungssektor noch der Clean-Energy-Be­reich im Plus. Sollte sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten weiter abschwächen, können klas­sische Substanzwerte eine sinnvolle Alternative in der Anlagewahl darstellen. Ich setze deshalb weiterhin auf Aktien, weil Aktien gerade bei hohen Inflationsraten erfahrungsgemäß die beste Absicherung gegen den Preisauftrieb darstellen und weil ein solides Aktieninvestment bisher aus diversen Krisen, gleichgültig ob fundamental oder geopolitisch begründet, gestärkt hervorgegangen ist.

Aktuell gibt es scheinbar nur Argumente dafür, keine Aktien zu halten. Da sind die Lieferengpässe, die die Industrieproduktion förmlich abstürzen lassen. Da ist der Inflationsdruck, der aus den Lieferengpässen resultiert, aber auch Folge des Ukrainekrieges ist. Da sind die Notenbanken, die in den USA besonders kräftig an der Zinsschraube drehen, sodass die Renditen in allen Laufzeitbereichen steigen. Und dann ist da noch die Sorge vor einem einbrechenden Konsum, denn Energie und der starke Preisanstieg bei vielen Gütern des täglichen Bedarfs wollen bezahlt werden. Und keines der angesprochenen Risiken ist derzeit wirklich greifbar. Wann hört die Corona-Krise in China auf, wann ist der Krieg in der Ukraine vorbei? Wer die Antwort hat, kann sagen, wann der Inflationsdruck nachlässt, die Konjunktur anspringt und die Zinsen wieder sinken. Doch weder Volkswirtschaftslehre noch Charttechnik können weiterhelfen. Zurzeit lässt sich nur konstatieren, dass die Risiken größer werden. Was ist also zu tun? Auf der Rentenseite könnte eine Option sein, auf kürzer laufende Anleihen auszuweichen. Und auf der Aktienseite scheint es angeraten, sich defensiv zu positionieren, zum Beispiel mit Value- bzw. Dividendentiteln im Rahmen einer Fondslösung. Auch diese sind zwar aktuell unter Druck, doch wenn die Börse dreht, dreht sie oft heftig und vor allem ohne Vorankündigung. Ich persönlich halte Aktien im Rahmen eines defensiven Ansatzes deshalb weiter die Treue, auch wenn es aktuell auch weh tun kann.

Aktuell gibt es scheinbar nur Argumente dafür, keine Aktien zu halten. Da sind die Lieferengpässe, die die Industrieproduktion förmlich abstürzen lassen. Da ist der Inflationsdruck, der aus den Lieferengpässen resultiert, aber auch Folge des Ukrainekrieges ist. Da sind die Notenbanken, die in den USA besonders kräftig an der Zinsschraube drehen, sodass die Renditen in allen Laufzeitbereichen steigen. Und dann ist da noch die Sorge vor einem einbrechenden Konsum, denn Energie und der starke Preisanstieg bei vielen Gütern des täglichen Bedarfs wollen bezahlt werden. Und keines der angesprochenen Risiken ist derzeit wirklich greifbar. Wann hört die Corona-Krise in China auf, wann ist der Krieg in der Ukraine vorbei? Wer die Antwort hat, kann sagen, wann der Inflationsdruck nachlässt, die Konjunktur anspringt und die Zinsen wieder sinken. Doch weder Volkswirtschaftslehre noch Charttechnik können weiterhelfen. Zurzeit lässt sich nur konstatieren, dass die Risiken größer werden. Was ist also zu tun? Auf der Rentenseite könnte eine Option sein, auf kürzer laufende Anleihen auszuweichen. Und auf der Aktienseite scheint es angeraten, sich defensiv zu positionieren, zum Beispiel mit Value- bzw. Dividendentiteln im Rahmen einer Fondslösung. Auch diese sind zwar aktuell unter Druck, doch wenn die Börse dreht, dreht sie oft heftig und vor allem ohne Vorankündigung. Ich persönlich halte Aktien im Rahmen eines defensiven Ansatzes deshalb weiter die Treue, auch wenn es aktuell auch weh tun kann.

Bereits seit Jahresbeginn sind die großen Aktienindizes stark unter Druck. Die Verluste liegen im Durchschnitt bei zehn Prozent. Nach den konjunkturellen Auswirkungen der Corona- Pandemie drückt aktuell vor allem der russische Überfall auf die Ukraine die Märkte. Aufgrund der geopolitischen Ereignisse scheint es derzeit intuitiv richtig, bei Aktien- Engagements Vorsicht walten zu lassen. Aber selbst in Krisensituationen wie diesen sollten Anleger unüberlegte und überhastete Verkäufe vermeiden. Panik war noch nie ein guter Ratgeber für den Börsenhandel. Das gilt auch im aktuell inflationären Umfeld. Warum? Anleihen bescheren den Anlegern aufgrund der hohen Inflationsraten reale Verluste, weil die Notenbanken nicht so schnell die Zinsen erhöhen können, wie der Preisdruck steigt. Da sind Aktien im Vorteil. Unternehmen haben in einem inflationären Umfeld zumindest theoretisch die Möglichkeit, ihre Preise dem wirtschaftlichen Umfeld anzupassen und so die Gewinne real stabil zu halten. Sicherlich verfügen nicht alle Unternehmen über die notwendigen Preisüberwälzungsspielräume. Deshalb ist es gerade im aktuellen Umfeld wichtiger denn je, auf Qualitätstitel zu achten. Das sind zum Beispiel Unternehmen, die über eine große, weltweite Marktpräsenz und eine starke Wettbewerbspositionierung verfügen. Entsprechende Titel sind oftmals Value-Titel, die in Unternehmen mit einer hohen Dividendenausschüttung investieren. Diese finden sich oft auch prominent in Aktienfonds wieder.

Die Hoffnung auf Frieden in der Ukraine ist unverändert da. Und wenn sich auch nur der kleinste Lichtblick in diese Richtung auftut, haussieren die Aktienmärkte, die insgesamt aber immer noch unter Druck sind. Sobald die Aktienmärkte aber die Chance auf Frieden erahnen, feiern sie dies in aller Regel mit einer massiven Hausse. Ein historisches Beispiel hierfür ist die Entwicklung des S&P 500 während des Zweiten Weltkriegs. Er geriet mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Frankreich massiv unter Druck und litt unter Pearl Harbor nochmals erheblich. Doch Pearl Harbor leitete die Kriegswende ein und die Börse drehte bereits vor dem Battle of Midway im Frühjahr 1942. Auch wenn der Krieg dann noch weitere drei Jahre andauerte und erst im August 1945 beendet werden konnte, lag der S&P 500 zu diesem Zeitpunkt im Vergleich zum Kriegsbeginn bereits wieder klar im Plus. Doch wo könnten Parallelen zu heute liegen? Der Krieg in der Ukraine könnte jederzeit – und darauf hoffen wir natürlich inständig angesichts der furchtbaren Bilder, die wir jeden Tag in den Medien verfolgen können – durch einen Waffenstillstand wieder zur Ruhe kommen. Es ließ sich bereits beobachten, wie die Märkte bei kleinsten positiven Anzeichen auf Entspannung reagierten. Der DAX sprang zuletzt an einem Börsentag um rund sieben Prozent beziehungsweise über 1.000 Punkte nach oben. Am Ende müssen sich Anlegerinnen und Anleger die Frage beantworten, ob sie nicht besser damit fahren, investiert zu bleiben, auch wenn’s mitunter schwerfällt.

Die US-Notenbank Fed hat es offensichtlich sehr eilig, die Zinsen anzuheben. Nachdem zu Jahresbeginn für 2022 ein bis zwei Zinsschritte erwartet wurden, spekulieren die Märkte inzwischen bereits auf vier bis fünf. Der erste könnte bereits im März erfolgen. Diese extreme Verschärfung der US-Geldpolitik hat die Spielregeln an den Finanzmärkten über Nacht verändert. Doch was bedeutet das für Anleger? Auf der Aktienseite ist davon auszugehen, dass Technologie-Werte zwar langfristig gut performen, doch auf Jahressicht den Anlegern womöglich eher wenig Freude bereiten werden. Stattdessen könnten Kurzläufer-Renten-ETF oder offene Immobilienfonds eine Investmentalternative darstellen. Letztere können zwar nicht nach freiem Belieben verkauft werden, doch es hat sich gezeigt, dass dieses Investmentvehikel auch schwierige Börsenphasen vergleichsweise gut übersteht. Auch ein Tausch in Value-Titel wäre eine Überlegung wert – im aktuellen Umfeld zum Beispiel in Fonds, die sich auf Investments in Unternehmen mit einer hohen Dividendenausschüttung konzentrieren. Aber auch eine Verlagerung von US-Aktienengagements in europäische Werte könnte helfen, da die Europäische Zentralbank der Geldpolitik der US-Notenbank – so wie es aussieht – nur sehr zögerlich folgen wird. Und Anleger, die Positionen aus China im Portfolio haben, sollten im Blick behalten, dass China angekündigt hat, die Zinsen in diesem Jahr zu senken. Das könnte sich im aktuellen Umfeld als hilfreich herausstellen.

Seit der Finanzmarktkrise 2008 befindet sich der Euro im Abwärtstrend. Bis heute hat er zum US-Dollar fast 30 Prozent verloren. Ein Grund dürfte die unterschiedliche geldpolitische Ausrichtung der Europäischen Zentralbank (EZB) und der amerikanischen Notenbank Fed sein: Während die Fed gleich drei Zinsschritte im laufenden Jahr für möglich hält, äußerte die EZB derartige Ambitionen bislang nicht. Es scheint aber auch so zu sein, dass der Handlungsdruck auf die US-Notenbank deutlich größer ist. Nie war die Differenz der Kerninflation zwischen den beiden Währungsräumen größer. Und weil die Inflation in den USA so viel höher ist, ist der Erwartungsdruck auf die Fed entsprechend groß, die Zinsen anzuheben. Das wiederum könnte die Attraktivität des US-Dollar beflügeln. Die Vermutung liegt nahe, dass der US-Dollar auch 2022 zum Euro weiter zulegen kann. Auf der anderen Seite sind Währungen extrem schwer zu prognostizieren. Für 2021 hatten die Analysten einen deutlich stärkeren Euro vorausgesagt. Dieser könnte aber 2022 zulegen, wenn sich der Inflationsdruck langsam abbauen und das hohe US-Haushaltsdefizit wieder stärker in den Fokus rücken würde. So viel steht jetzt schon fest: Das Börsenjahr 2022 verspricht viel Spannung – die US-Leitzinsen strahlen ja nicht nur auf die Währung, sondern insbesondere auch auf die Renten- und Aktienmärkte aus. Der Jahresauftakt war für Bonds und Aktien bereits reichlich turbulent und könnte es auch bleiben.

Inflation, China, Lieferengpässe und vor allem Corona – das sind aus heutiger Sicht die großen Risiken für das Aktienjahr 2022. Aber sind diese so groß, dass am Ende des Jahres die Aktienrendite negativ ausfallen wird? Wir sind zuversichtlich, dass es nicht so kommen wird. Vieles spricht für einen nachlassenden Preisdruck, womöglich schon im ersten Quartal des Jahres. Damit die Märkte beruhigt sind, muss die Inflation nicht gleich auf unter 2 Prozent sinken. Es dürfte schon reichen, wenn der Inflationsdruck sukzessive nachlässt. Das erscheint möglich. Für China wird für 2022 ein Wachstum um die 5 Prozent prognostiziert. Die chinesische Notenbank wacht scharf über den Konjunkturverlauf und greift über ihre Mindestreservepolitik in das Wirtschaftsgeschehen ein. Mit dieser Strategie hatte sie bereits die chinesische Wirtschaft durch die Finanzkrise manövriert und scheint damit auch die Immobilien-Krise überwinden zu können. Die Beseitigung der globalen Lieferengpässe wird möglicherweise mehr Zeit in Anspruch nehmen als erhofft. Doch die Aktienmärkte werden schon leichte Verbesserungen mit positiven Kursbewegungen honorieren. Die wahre Unbekannte für das Aktienjahr 2022 bleibt die Corona-Pandemie, auch wenn sich die Lage im Frühjahr erfahrungsgemäß meist bessert. Selbst wenn das schwer kalkulierbare Risiko Corona immer wieder für Rückschläge sorgen kann, sind wir zuversichtlich, dass die Aktienmärkte 2022 unterm Strich positiv auslaufen werden.

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