© kritchanut - Adobe Stock

Beim Einkaufen von Kleidung oder Lebensmitteln achten immer mehr Deutsche auf ethische Aspekte. Zunehmend rückt dies auch bei Anlegern ins Blickfeld. Nachhaltige Investments liegen im Trend.

„In einem Wald soll nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann“. Diese Vorgabe stammt von Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz. Der 1645 geborene Freiberger hat sich damit den Ruf als „Vater“ der Nachhaltigkeit gesichert.

Dass Nachhaltigkeit heutzutage in aller Munde ist, hätte den barocken Forstexperten sicher gefreut. Angesichts knapper Ressourcen und ökologischer Fehlentwicklungen steigt die Bereitschaft vieler Menschen zu hinterfragen, welche Folgen ihr Handeln auf die Natur und das Leben anderer hat. Nachhaltig ist aus heutiger Sicht alles, was Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft im Gleichgewicht hält.

Bio-Banane, Bio-Diesel, Bio-Fonds

Der Gedanke zündet. Bio-Lebensmittel, Car-Sharing, Fair Trade, alternative Energien für die heimische Heizung – ein umweltbewusstes und nachhaltiges Leben zu führen, ist in Deutschland gefragter denn je. Das gilt nicht nur für den Konsumbereich, sondern auch für den Umgang mit den eigenen Ersparnissen. Investments in nachhaltige Geldanlagen, die neben den klassischen finanziellen Kriterien auch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen, haben in Deutschland ein neues Rekordhoch erreicht. Wie das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem Marktbericht 2021 feststellt, stiegen nachhaltige Anlagen 2020 verglichen zum Vorjahr um 25 Prozent auf 335 Milliarden Euro. Treibende Kraft dieser Entwicklung waren private Anleger. Sie investierten knapp 40 Milliarden Euro in nachhaltige Fonds und Mandate – ein Zuwachs von 117 Prozent.

Nachhaltiges Wachstum

Nachhaltig investieren können Anleger zum Beispiel, indem sie sich bewusst für Fonds entscheiden, die kontroverse Geschäftspraktiken sowie kontroverse Branchen wie Waffen, Tabak, Alkohol und Kohle ausschließen. Eine Möglichkeit, regelmäßig Geld in „saubere“ Vermögensanlagen zu investieren, sind nachhaltige Fondssparpläne.

Laut einer Studie der Ratingagentur Scope aus August 2020 konnten Anleger aus Deutschland zu dem Zeitpunkt bereits aus 1.115 nachhaltig ausgerichteten Fonds wählen, die zusammen rund 400 Milliarden Euro verwalteten. Das Volumen hatte sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Im Oktober 2018 nannte Scope 641 nachhaltige Fonds mit 158 Milliarden Euro Volumen. Neben Investmentfonds können Anleger auch in nachhaltige ETFs (Exchange Traded Funds) investieren, die Aktienindizes wie zum Beispiel den MSCI World Socially Responsible Index nachbilden.

Auch die TARGOBANK erweitert kontinuierlich ihre Empfehlungsliste um Fonds, die das Thema Nachhaltigkeit beinhalten. Zwölf aktive Fonds und sechs ETFs werden derzeit angeboten.

Beim Kauf und Verkauf von Fonds und ETFs bestehen wie bei allen Anlagen Risiken für Kapital und Ertrag. Die Anlage ist – anders als beispielsweise bei Tages- und Festgeldern – nicht garantiert. Schwankungen des Marktes können zu Kursverlusten bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Im Gegenzug bieten die Aktienmärkte größere Renditepotenziale.

Mit Brief und Siegel

Angesichts des wachsenden Angebots am Markt ist es nicht immer einfach zu erkennen, wie nachhaltig eine Geldanlage wirklich ist. Der Begriff Nachhaltigkeit ist bisher nicht geschützt, es gibt bis dato keine einheitliche Definition für nachhaltiges Investieren und die Vorstellungen von Nachhaltigkeit variieren stark. Deshalb analysieren einige Ratingagenturen gezielt, ob Unternehmen, in die ein Fonds investiert, tatsächlich nachhaltig wirtschaften – das kann ökologische, soziale, aber auch ethische Kriterien beinhalten wie beispielsweise die Frage, ob ein Unternehmen aktiv gegen Korruption vorgeht.

Europäische Verpflichtung

Dafür, dass immer mehr Unternehmen nachhaltiger denken und wirtschaften, sorgt auch die EU mit ihren Gesetzen. Im 2018 hat die EU ein Gesetzespaket zur Förderung eines nachhaltigen Finanzsystems auf den Weg gebracht. Der von der EU-Kommission vorgelegte Aktionsplan verfolgt drei Kernziele: Die Kapitalflüsse auf den Umbau zu einer nachhaltigen Wirtschaft auszurichten, Nachhaltigkeit stärker in das Risikomanagement zu integrieren und die Transparenz nachhaltiger Finanzprodukte zu fördern. Seit dem 10. März 2021 greift die europäische Offenlegungsverordnung. Gemäß der Verordnung (EU) 2019/2088 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor sind Finanzberater (Kreditinstitute, die Anlageberatung erbringen, und Versicherungsvermittler) verpflichtet, über bestimmte Nachhaltigkeitsthemen zu informieren.

Bereits im Jahr 2014 hatte die Kommission das Vergaberecht geändert und die Einhaltung sozialer und umweltrechtlicher Verpflichtungen explizit zu einem vergaberechtlichen Grundsatz gekürt. Wer also innerhalb der EU um einen öffentlichen Auftrag buhlt, muss dafür sorgen, dass seine Offerte ressourcenschonend und sozial ist – sonst hat er schlechte Karten. So treten die europäischen Beamten konsequent das Erbe ihres Vorgängers von Carlowitz an.