Eine Frau mit lockigem, rotem Haar sitzt auf dem Boden und arbeitet an einem Laptop, umgeben von Unterlagen und einem Taschenrechner. Sie trägt ein grünes T-Shirt und eine Jeans. Auf einem kleinen Tisch liegen farbige Blätter und ein Smartphone.
Thema: Finanztipps | Datum: 02.10.2026
 | 7 Minuten Lesezeit

Zähler für Views, Likes und Kommentare dieses Artikels

Anzahl der Views

Alles Wichtige zum Altersvorsorgedepot

Wie sorge ich am besten fürs Alter vor? Ab 2027 gibt es dafür ein neues Angebot: das Altersvorsorgedepot. Es löst die Riester-Rente für Neuverträge ab und soll privates Sparen am Kapitalmarkt attraktiver machen.

Was ist ein Altersvorsorgedepot?

Grundlage für das Altersvorsorgedepot ist das Altersvorsorgereformgesetz, das der Bundestag im März 2026 beschlossen und der Bundesrat im Mai 2026 gebilligt hat. Das Altersvorsorgedepot soll ab 2027 verfügbar sein.

Die Idee dahinter: Wer langfristig fürs Alter spart, kann staatliche Förderung mit den Chancen des Kapitalmarkts verbinden. Sparerinnen und Sparer sollen so leichter am Kapitalmarkt anlegen können. Mit dem Standarddepot ist außerdem eine besonders einfache Variante mit zwei vorgegebenen Fonds vorgesehen.

Was ist anders beim Altersvorsorgedepot als bei Riester?

Ein wichtiger Unterschied zu klassischen Riester-Produkten: Das Altersvorsorgedepot kommt ohne Beitragsgarantie aus. Das eröffnet langfristig höhere Renditechancen, bedeutet aber auch, dass Wertschwankungen am Kapitalmarkt dazugehören. Kurz gesagt: Mehr Renditechancen bedeuten auch mehr Risiko.

Wie unterscheidet es sich von einem klassischen ETF-Depot?

 
MerkmalAltersvorsorgedepotNormales ETF-Depot
Staatliche FörderungStaatliche Zulagen und mögliche SteuervorteileKeine staatliche Förderung
VerfügbarkeitDas Kapital ist grundsätzlich für die Altersvorsorge gebunden. Vorzeitige Entnahmen können zum Verlust der staatlichen Förderung führen. Ausnahmen können bestimmte wohnungswirtschaftliche Verwendungen, zum Beispiel den Erwerb selbstgenutzten Wohneigentums sein.Das Geld ist grundsätzlich jederzeit verfügbar.
SteuernErträge werden während der Ansparphase nicht besteuert. Die Besteuerung erfolgt erst bei der Auszahlung.Beim normalen ETF-Depot werden Erträge grundsätzlich bereits während der Anlagephase bzw. bei einer Veräußerung besteuert.
AnlageauswahlAnlage nur in die für das Altersvorsorgedepot zugelassenen Anlageprodukte, zum Beispiel Fonds und ETFsFreie Auswahl aus dem Angebot des Depotanbieters

Was für eine staatliche Förderung gibt es?

Die Förderung richtet sich nach Ihren eigenen Einzahlungen: Je nach Beitragshöhe, Kinderzahl und persönlicher Situation erhalten Sie eine Grundzulage von bis zu 540 Euro pro Jahr sowie Kinderzulagen von bis zu 300 Euro je Kind und Jahr. Die jeweilige Höhe hängt vom Eigenbeitrag ab.

Die staatliche Förderung kann damit einen erheblichen Teil Ihrer eigenen Sparleistung ausmachen.

Für wen ist ein Altersvorsorgedepot besonders interessant?

  • Jüngere und Berufseinsteiger: Sie haben einen langen Anlagehorizont, sodass der Renditeeffekt besonders lange wirken kann. Schließen Sie vor Ihrem 25. Geburtstag einen Vertrag ab, können Sie zusätzlich einmalig einen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro erhalten.
  • Familien mit Kindern: Zusätzlich zur Grundzulage können Sie für jedes Kind eine Kinderzulage von bis zu 300 Euro pro Jahr erhalten. Die Höhe richtet sich nach Ihrem Eigenbeitrag.
  • Sparerinnen und Sparer mit kleinen und mittleren Beträgen: Ab einem Mindesteigenbeitrag von 120 Euro im Jahr besteht bei entsprechender Förderberechtigung Anspruch auf eine anteilige Grundzulage.
  • Selbstständige und Angehörige bestimmter freier Berufe: Der Kreis der Förderberechtigten wird erweitert. Künftig können auch Gewerbetreibende und Freiberufler die staatliche Förderung nutzen sowie Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke.
  • Kapitalmarktorientierte Sparerinnen und Sparer: Das Altersvorsorgedepot kann interessant für Sie sein, wenn Sie bereits in ETFs investieren oder langfristig die Renditechancen von Fonds und ETFs nutzen möchten. Zusätzlich zur Förderung können Sie Ihre Steuerlast senken: Die Beiträge lassen sich steuerlich absetzen und Erträge bleiben bis zur Auszahlung steuerfrei. Anders als bei Garantieprodukten gibt es keine vorgeschriebene Kapitalgarantie.

 So kann die Förderung konkret aussehen*:

BeispielEigener BeitragStaatliche ZulageInsgesamt fürs Alter
Single ohne Kinder100 €/Monat = 1.200 €/Jahr390 € Grundzulage1.590 €
Familie mit 1 Kind100 €/Monat = 1.200 €/Jahr390 € Grund- + 300 € Kinderzulage1.890 €
Familie mit 2 Kindern100 €/Monat = 1.200 €/Jahr390 € Grund- + 600 € Kinderzulage2.190 €

*Vereinfachtes Beispiel ohne mögliche Steuervorteile. Die volle Grundzulage von 540 Euro wird bei einem Eigenbetrag von 1.800 Euro im Jahr erreicht. Die Kinderzulage beträgt – abhängig vom Eigenbeitrag – bis zu 300 Euro je Kind.  

Welche Vor- und Nachteile hat ein Altersvorsorgedepot?

Wie jede Form der Geldanlage bringt auch das Altersvorsorgedepot Chancen und Risiken mit sich. Ein Überblick:

Vorteile

  • Staatliche Förderung durch Zulagen und mögliche Steuervorteile
  • Renditechancen durch die Anlage am Kapitalmarkt.
  • Breite Streuung des Kapitals über Fonds und ETFs möglich
  • Erträge bleiben während der Ansparphase steuerfrei
  • Keine vorgeschriebene Kapitalgarantie
  • Standarddepot als einfache Anlagevariante
  • Gesetzliche Kostenbegrenzung beim Standarddepot

Nachteile

  • Wertschwankungen und Verluste möglich
  • Keine Garantie, dass mindestens die eingezahlten Beiträge erhalten bleiben
  • Kapital ist grundsätzlich bis zur Auszahlungsphase gebunden
  • Vorzeitige Entnahme können zum Verlust der staatlichen Förderung führen; Ausnahmen sind möglich.
  • Auszahlungen im Alter müssen versteuert werden
  • Kosten für Depot und Anlageprodukte schmälern die Rendite

Wie komme ich an ein Altersvorsorgedepot?

Ab dem 1. Januar 2027 können Sie bei einem teilnehmenden Anbieter einen Altersvorsorgevertrag in Form eines Altersvorsorgedepots abschließen. Voraussetzung ist, dass das angebotene Produkt die gesetzlichen Anforderungen erfüllt und entsprechend zertifiziert ist. Ein bestehendes normales Wertpapier- oder ETF-Depot kann nicht einfach in ein Altersvorsorgedepot umgewandelt werden.

Lohnt sich der Wechsel von Riester zum Altersvorsorgedepot?

  • Ihr bestehender Riester-Vertrag kann weiterlaufen. Es gibt keinen Wechselzwang. Sind Sie mit Ihrem Vertrag zufrieden, können Sie ihn zu den bisherigen Bedingungen und mit der bisherigen Förderung fortführen. Neue Riester-Verträge können ab dem 1. Januar 2027 nicht mehr abgeschlossen werden. Für Neuverträge gelten dann die neuen Produkt- und Förderregeln.
  • Ein Wechsel kann sich je nach persönlicher Situation unterschiedlich auswirken. Entscheidend sind zum Beispiel die Konditionen Ihres bestehenden Vertrags, die Kosten eines neuen Angebots, die verbleibende Zeit bis zum Ruhestand und Ihre individuelle Förderung.
  • Für Familien können insbesondere die Kinderzulagen eine Rolle spielen. Pro Kind sind bis zu 300 Euro Kinderzulage im Jahr möglich; die konkrete Höhe richtet sich nach dem Eigenbeitrag.
  • Ihr vorhandenes Riester-Guthaben können Sie auf einen neuen Altersvorsorgevertrag übertragen, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Dabei können Wechsel-, Abschluss und Vertriebskosten anfallen. Bereits gefördertes Vermögen wird im Jahr der Übertragung nicht noch einmal gefördert.
  • Auch eine Kombination ist möglich: Sie können Ihren bestehenden Riester-Vertrag beispielsweise beitragsfrei stellen, während neue Beiträge in ein Altersvorsorgedepot fließen.

Worauf sollte ich bei der Auswahl eines Altersvorsorgedepots achten?

  • Kosten: Depot-, Verwaltungs- und Anlagekosten vergleichen – sie wirken sich direkt auf die spätere Rendite aus
  • Anlageangebot: Welche Fonds und ETFs stehen zur Auswahl, und passen sie zu den eigenen Anlagezielen?
  • Anlagestrategie: Selbst entscheiden oder lieber eine einfache, vorgegebene Lösung nutzen?
  • Flexibilität: Möglichkeiten und Konditionen für einen späteren Anbieterwechsel prüfen
  • Auszahlung: Welche Möglichkeiten und Kosten gelten für die spätere Auszahlungsphase?
  • Zulagen-Service: Wie einfach lassen sich die staatlichen Zulagen beantragen? Übernimmt der Anbieter das zum Beispiel über einen Dauerzulagenantrag?

Wann kann ich über mein angespartes Geld verfügen?

Die Auszahlungsphase beginnt grundsätzlich frühestens mit Vollendung des 65. und spätestens mit Vollendung des 70. Lebensjahres. Im Ruhestand kann das Kapital dann als Auszahlungsplan – mindestens bis zum 85. Lebensjahr – oder als lebenslange Rente ausgezahlt werden. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, zu Beginn der Auszahlungsphase bis zu 30 Prozent des Kapitals auf einmal zu entnehmen. Für Beginn und Dauer der Auszahlung gelten gesetzliche Vorgaben.

Kann ich das Depot komplett auflösen, wenn ich das Geld vorher brauche?

Das Altersvorsorgedepot kann grundsätzlich vorzeitig aufgelöst werden. Bei einer förderschädlichen vorzeitigen Auszahlung müssen dann aber die erhaltenen staatlichen Zulagen und Steuervorteile zurückgezahlt werden.

Alternativ lässt sich das Guthaben auf einen anderen geförderten Altersvorsorgevertrag übertragen, ohne dass dabei die Förderung verloren geht.

Wer vorübergehend nicht einzahlen kann oder möchte, kann den Vertrag ruhen lassen. Das angesparte Kapital bleibt dabei im Vertrag.

Bietet die TARGOBANK auch ein Altersvorsorgedepot an?

Die TARGOBANK entwickelt gemeinsam mit Partnern ein Angebot für die neue geförderte Altersvorsorge. Ein Abschluss soll grundsätzlich für Kundinnen und Kunden zwischen 18 und 67 Jahren möglich sein. Für Sie sollen zwei Varianten zur Wahl stehen: ein Standarddepot und ein Flex-Depot.

  • Das Standarddepot ist besonders einfach aufgebaut und kostengedeckelt. Es sieht zwei vorab festgelegte Fonds mit unterschiedlichem Risiko- und Renditeprofil vor.
  • Das Flex-Depot ermöglicht eine individuellere Zusammenstellung der Kapitalanlage aus den angebotenen, für das Altersvorsorgedepot zugelassenen Anlageprodukten.

Fazit

Das Altersvorsorgedepot kombiniert staatliche Förderung mit den Chancen des Kapitalmarkts. Es bietet höhere Renditechancen als klassische Riester-Verträge, verzichtet dafür aber auf Garantien. Ob es zur persönlichen Altersvorsorge passt, hängt unter anderem vom Anlagehorizont, der eigenen Risikobereitschaft und der individuellen Förderung ab. Wer noch mindestens 15 bis 20 Jahre bis zum Ruhestand hat, kann von den Chancen des Kapitalmarkts besonders profitieren.

Redaktion: voilà-Redaktion

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um diesen Artikel zu kommentieren

Ähnliche Artikel