„Trotz Krieg: Geldpolitischer Ton wird rauher“
Marktkommentar von TARGOBANK Chefvolkswirt Dr. Otmar Lang
Die EZB probiert die Quadratur des Kreises. Zum einen will sie ihr Anleiheankaufprogramm schneller zurückfahren als bisher geplant. Zum anderen aber hat sie kein Enddatum für die Anleihekäufe definiert. Außerdem will sie mehr Zeit zwischen der Beendigung des Quantitative Easings und der ersten Zinserhöhung verstreichen lassen. Zuletzt wurde dieser Zeitraum noch mit „bald“ (shortly) umschrieben. Jetzt heißt es: „mehr Zeit“ (some time). Was das aber genau bedeutet, bleibt offen. Klar ist nur: Der geldpolitische Ton der EZB ist rauher geworden.
Offensichtlich gibt es in der EZB zwei Lager: Die einen streben eine baldige geldpolitische Verschärfung an, die anderen wollen – auch wegen des Ukraine-Konflikts – abwarten. Die heutigen Formulierungen von Christine Lagarde erwecken den Eindruck, dass die Falken, also die Gruppe, die eine geldpolitische Verschärfung in näherer Zukunft wünschen, weiter an Einfluss gewinnen.
Die heutige Botschaft scheint auf den ersten Blick etwas verworren. Doch bei der Betrachtung der EZB-Statements in den letzten Wochen und Monaten ist eine klare Linie zu erkennen: Ihre Handlungsbereitschaft, die Geldpolitik zu verschärfen wird von Monat zu Monat größer. Daran hat auch der Ukraine-Konflikt nichts geändert, der eigentlich etwas mildere Formulierungen zur kurzfristigen Ausrichtung der Geldpolitik hätte erwarten lassen. Dass diese nicht kamen, ist möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die EZB die Inflationsgefahren lange Zeit nicht ernst genug genommen hat.
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